Unterrichtsfächer in der Waldorfschule
Der Waldorfpädagogik liegt die anthroposophische Auffassung von der Dreigliederung des Menschen zugrunde. Unsere Schüler werden gleichermaßen in ihren intellektuell-kognitiven, künstlerisch-kreativen sowie handwerklich-praktischen Fähigkeiten gefördert. So erklärt sich das vergleichsweise große Angebot an handwerklich-künstlerischen Fächern an den Waldorfschulen.
Hauptunterricht und Fachstunden
Der Schultag beginnt mit dem fast zweistündigen Hauptunterricht. In ihm wird über drei bis vier Wochen hinweg das selbe Fach behandelt (Epochenunterricht). Der anschließende Fachunterricht am Vormittag und am Nachmittag beinhaltet den handwerklich-künstlerischen Bereich, die Fremdsprachen (von der ersten Klasse an) sowie Sport und Religion.
Der Hauptunterricht der ersten acht Schuljahre wird von dem Klassenlehrer übernommen und wird nur in den Fächern durchgeführt, in denen Sachgebiete in sich geschlossen behandelt werden können. Erst in der Oberstufe übernehmen einzelne Fachlehrer den Hauptunterricht. Folgende Fächer werden als Hauptunterricht erteilt:
Hauptunterricht
| Deutsch |
| Mathematik |
| Biologie |
| Chemie |
| Physik |
| Erdkunde |
| Geschichte |
Sprachunterricht
Russisch
Warum Russisch?
Das Fach Russisch gehört seit der Gründung unserer Schule und somit seit vierzig Jahren zum festen Lehrplan an unserer Schule. Russisch ist von Klasse 1 an neben dem Englischen eine der beiden Kardinalfremdsprachen. Später kann Französisch hinzugewählt werden.
Das Englische gehört wie auch das Deutsche den germanischen Sprachen an. Das Russische ist eine slawische Sprache, die über eine andere Sprachlogik, Aussprache, Lexik und Grammatik verfügt. Wussten Sie, dass das Russische z.B. zwei Wörter für den Begriff „blau“ besitzt oder dass es sechs Fälle aufweist? Während die Schüler*innen mit Englisch eine dem Deutschen sehr nahe und verwandte Sprache lernen, dürfen sie die variationsreiche Grammatik und die Fülle an morphologischen Formen des Russischen kennenlernen. Die Schule hat sich vor 40 Jahren bewusst für Russisch entschieden, das durch diese morphologische Vielfalt die Willensbildung in jeder Stunde schult. Genau das möchten wir erreichen.
Diese Fremdsprache eröffnet den Schüler*innen eine andere Möglichkeit, auf die Welt zu sehen und sie zu versprachlichen. Sie weitet ihren Horizont und schärft ihren Blick. So sollen die Kinder und Jugendlichen nicht nur in den Westen schauen mit Englisch und eventuell Französisch, sondern auch in den Osten mit Russisch und diese Weltsicht bereichernd neben ihre eigene westeuropäische stellen. Es findet somit ein Perspektivwechsel statt, der Verständnis und Empathie für andere Kulturen fördert.
Jedes Jahr ist Russisch außerdem im Fächerkanon fürs Abitur enthalten, und die Abiturient*innen haben darin immer gute Ergebnisse. Nach 13 Jahren Russischunterricht ist diese Fremdsprache den Schüler*innen sehr vertraut und eröffnet ihnen viele Wege zur Berufsfindung auf solchen Gebieten wie Philologie, Journalismus, Wissenschaft, Jura, Politik u.a. Das Russische ist auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt.
Russisch ist eine der am häufigsten gesprochenen Sprachen der Welt. Sie wird nicht nur in den ehemaligen GUS-Staaten, sondern auch als eine Fremdsprache in vielen Ländern der Welt gesprochen. Aber auch in unseren europäischen Gemeinschaften gibt es viele Russischsprechende. Das Russische ist eine der sechs offiziellen Amtssprachen der Vereinten Nationen.
Es ist uns wichtig, unsere Schüler*innen mündig und informiert aufwachsen zu lassen, ohne dass sie auf eine Übersetzung, Interpretation oder Meinung anderer angewiesen sein müssen. Das Beherrschen des Russischen macht sie stark, es bildet und informiert. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Welt hinter Europa nicht aufhört.
Unser Bemühen ist, den Jugendlichen zu vermitteln, dass es einerseits Macht und Politik gibt und dass es andererseits Menschen mit Traditionen und ihrer Kultur, Kunst, Musik und Literatur gibt. Es ist wichtig, dieses zu erkennen und zu differenzieren. An deutschen Universitäten wie z.B. auch an der Universität Münster wird Russisch weiter unterrichtet und erforscht. Russische Filmtage haben einen festen Platz im Kulturleben der Stadt Münster. An staatlichen deutschen Schulen wird das Russische als herkunftssprachlicher Unterricht erteilt.
Gerade jetzt, im dritten Jahr des brutalen Angriffskriegs Putins auf die Ukraine, haben wir fest im Bewusstsein, dass es nicht nur ein Heute, sondern auch ein Morgen gibt. Die europäische Gemeinschaft braucht einen breit aufgestellten Sprachenkanon, darunter das Russische, um vermitteln zu können und Brücken zu bauen. Deshalb ist Russisch an unserer Schule neben Englisch und Französisch fest im Lehrplan verankert.
Das Kollegium der Freien Waldorfschule Münster
Englisch
Ab der 1. Klasse
Spanisch
Ab der 7. Klasse wählbar
Fachunterricht
Eurythmie
Eurythmie heißt, Musik und Sprache durch die Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Im Unterricht üben die Schüler*innen z.B. Rhythmen und Melodie eines Musikstückes mit einer Choreographie auszudrücken und darzustellen.
„Hier schließt die Eurythmie eine Lücke, die in der Pädagogik oft offen bleibt, wenn die bildenden Künste und darstellenden Künste mit Theater, Chor und Orchester unterrichtet werden, aber nicht die Tanzkunst.“
(Henning Kullak-Ublick, H. (2022, 09. August), Eurythmie, https://www.waldorfschule.de/paedagogik/eurythmie).
Ansprechperson: Martin Hagel (Lehrer), Frau Siebert
Kontakt:
Handarbeit
Das Arbeiten mit den Händen in unserer zunehmend digitalisierten Welt schafft einen guten und wichtigen Ausgleich, um in der Welt selbst noch gestalterisch und praktisch tätig zu sein.
In der 1. Klasse lernen wir den komplexen Vorgang des Strickens von rechten Maschen. Wir stricken z.B.: Zwerge, einen Ball und beginnen mit der großen Aufgabe, einen Flötenbeutel zu arbeiten. In der 2. Klasse schließen wir das Stricken unseres Flötenbeutels ab und beginnen mit dem Häkeln von Luftmaschen und festen Maschen. Wir häkeln uns einen individuellen Beutel oder ein Ballnetz und arbeiten an weiteren Gebrauchsgegenständen. In der 3. Klasse häkeln wir ggf. noch eine Weile und dann lernen wir auch das Stricken von linken Maschen und häkeln oder stricken uns eine Mütze.
Begleitende Fingerspiele helfen uns in den ersten Lernjahren, dass unsere Finger immer geschickter und beweglicher werden. In der 4. Klasse lernen wir das Sticken mit dem Schwerpunkt Kreuzstich: Eine schöne Tasche entsteht in unseren Händen. Das Rundstricken mit dem Nadelspiel steht nun auf dem Lehrplan der 5. Klasse und wir stricken uns unser eigenes Sockenpaar. In der 6. Klasse entwerfen wir ggf. ein eigenes Schnittmuster und nähen von Hand ein eigenes Säugetier, welches auf vier Beinen stehen soll. Wir entwerfen in der 7. Klasse unser eigenes Schnittmuster für ein Paar Hausschuhe und nähen bzw. filzen dieses von Hand. In Klasse 8 beginnen wir an der Tretnähmaschine zu nähen und nähen z.B. unsere eigenen Kissenhüllen oder Ofenhandschuhe und gehen dann an die mechanischen Nähmaschinen und nähen uns ein eigenes einfaches Kleidungsstück; z. B. eine Hose.
Übrigens: Bei uns erlernen Jungen und Mädchen an der Schule gleichermaßen alle diese Handarbeitstechniken- und das seit über 40 Jahren mit Erfolg. An realen, handwerklichen Erlebnissen können sie ihre Erfahrungen sammeln und diese in ihr Leben gestalterisch einfließen lassen.
Kunst
Die Reise des Kunstunterrichts in der Mittel- und Oberstufe beginnt mit der Schattenlehre, Objektzeichnungen, Stillleben, fortführend in die Perspektive, Innen- und Außenraum und taucht zwischendurch in die Farbwelt der Malerei ein. Landschaftsmalerei, Stillleben, Abstraktion und Porträtmalerei sind Schwerpunkte des Unterrichts in der Oberstufe. Künstlerisch forschend werden Themen, die Fragen nach dem Selbst, der Gesellschaft und der eigenen Identität in künstlerischen Prozessen, erarbeitet. Das eigene Handeln, Urteilen und die Verantwortung gegenüber Entwicklungen in einer Gesellschaft werden als Fragestellungen in Prozessen künstlerisch vertieft und zu individuellen Bildsprachen geformt. Auch der menschliche Körper wird anhand zeichnerischer Studien in der Oberstufe unter die Lupe genommen. Das Verständnis für Proportionen und für den menschlichen Körper als Resonanzraum bilden hier den Schwerpunkt.
Werken
Der handwerklich künstlerische Unterricht findet in unserem großzügigen Werkstattgebäude statt. Dazu stehen drei Räume für die verschiedenen Arbeitsbereiche zur Verfügung: das Holzwerken und das Plastizieren. Zusätzlich gibt es noch einen Maschinenraum für die nötigen Materialvorbereitungen für den Werkunterricht, welcher auch von einigen Arbeitskreisen und der Hausmeisterei genutzt werden kann. Die Schüler*innen stellen im Werkunterricht (ab Klasse 5) Löffel, Schalen, Kisten mit Holzverbindungen, Paddel und vieles mehr her. Aus Ton werden Schalen, Figuren, menschliche Köpfe und weitere Werkstücke angefertigt.
Gartenbau
Der Gartenbauunterricht soll Freude am Arbeiten mit und in der Natur vermitteln. In einer Zeit, in der Vieles sofort auf Knopfdruck erledigt wird, ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche erfahren, wie die Natur mit der Zeit umgeht. Aussaat, Pflege, Ernte und Verarbeitung der eigenen Produkte steigern das Interesse der Schüler*innen an Lebensmitteln und an ihrem Verzehr z.B. als Pausenverpflegung. Der Umgang mit Pflanzen steigert die Wertschätzung gegenüber der Natur und verbessert wichtige soziale Fähigkeiten wie das Arbeiten in der Gruppe, die Kommunikation und das Verstehen auch der eigenen Person. Im etwa 1700 qm großen Schulgarten mit Gewächshaus und im Gartenbauraum wirken Schüler*innen der 6. bis 9. Klasse. Die eigenen Produkte werden auf dem Adventsbasar vermarktet.
Ansprechperson: Jonas Blohm (Lehrer)
Kontakt:
Hauptunterricht
Deutsch, Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Erdkunde, Geschichte
Sprachunterricht
Englisch, Russisch, Französisch
Fachunterricht
Eurythmie, Kunst, Musik, Werken, Gartenbau, Handarbeit, Sport
Religionsunterricht
evangelischer, katholischer, freichristlicher Religionsunterricht
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