Bewegtes Klassenzimmer in der Unterstufe
Auf dem Weg von äußerer zu innerer Bewegung laufen, hüpfen, balancieren, sitzen und schreiben wir auf unseren Bänken. Wir springen das Einmaleins und fördern so Sozialkompetenz und Eigenmotivation.
Von Türmen, Brücken, Höhlen und Verliesen
37 Erstklässler laufen, springen, hüpfen, balancieren, stehen, sitzen und schreiben auf 37 hölzernen Bänken mit 37 großen korkgefüllten Kissen im beweglichen Klassenzimmer. Den Bedürfnissen entsprechend wird rasch umgeräumt – vorsichtig und umsichtig. Das schult Sozialkompetenz und Eigenmotivation.
Jeden Morgen bauen die Kinder zunächst für 20 Minuten eine Bewegungslandschaft auf. Sie konstruieren Türme und Brücken, Höhlen und Verliese. Sie schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen, klettern und machen sich klein. So dünn wie es geht oder so niedrig wie es geht. Dann ertönt das Glöckchen, aus den Bänken entsteht ganz rasch ein großer Kreis.
Der rhythmische Lernteil im Kreis
Die dicken Kissen sind Fußbänkchen, die Kinder sitzen auf den Bänken im Kreis. Wir nehmen einander wahr: Sind alle da? Morgenlied und Morgenspruch folgen.
Rhythmisierte Geschichten werden nachgesprochen und durchlebt, durchschritten, durchschlichen... Wir suchen körperlichen Ausdruck für das Gehörte. Manchmal werden da die Kissen zu Zwergensäcken, unter denen 37 Zwerge im Kreis ächzen.
Dann wieder blicken alle Kinder gebannt auf das Zentrum des Kreises. Was geschieht hier und wie nehmen die anderen es wahr?
Bewegung als Motor des Lernens
Ausgeprägte Beweglichkeit und Fantasie im Denken und Tun der Kinder werden immer wieder aufgegriffen. Über die äußere Bewegung dringen wir zur inneren Gedankenbewegung vor.
Rechnen mit dem Körper
Wir rechnen mit den Kissen in der Mitte: Wir erleben Mengen durch „Flussüberquerungen“ von Stein zu Stein. Wir bauen eine Zahlentreppe aus den Kissen und springen die Einmaleinsreihen. Irgendwann ertönt das Glöckchen. Zeit fürs Umräumen: frontale Bänke.
Die Bank wird Schreibtisch
Jetzt ist die 120 cm lange Bank ein Schreibtisch für zwei Kinder. Im Reitersitz sitzt jeder auf dem Kissen. Nach so ausgiebiger Phase gemeinsamen aktiven Lernens fällt es nun nicht schwer, sich auf das Geschehen vorn gesammelt einzulassen.
Woher kommt das Konzept?
Das Konzept hat sich schon einige Jahre lang an zahlreichen Waldorfschulen bewährt. Martin Carle, Lehrer an der Freien Waldorfschule in Schwäbisch-Hall, hat viel Erfahrung mit der Arbeit im bewegten Klassenzimmer und gibt seine Erfahrungen in Fortbildungen weiter.
Und das Ziel?
Kraft zur Selbstentwicklung des Kindes durch vielfältig differenzierte Bewegung, Entfaltung der Sozialkompetenz, Entwicklung der Eigenmotivation. Und es sei noch eins hinzugefügt: freudige Motivation des Lehrenden.