Alles nur Mist? - Das Landwirtschaftspraktikum

Natürliche Kernkraft ist viel gesünder!Großbildansicht

Die Höfe

In der 9. Klasse können die Schüler/innen praktische Erfahrungen im Bereich der Landwirtschaft sammeln. Sie verbringen seit 2004 allein oder zu zweit drei (bis 2007 nur 2) Wochen auf Biohöfen.

Die meisten Biolandhöfen oder demeter- und Naturlandbetriebe liegen im Münster- und Sauerland verstreut, z.T. sind sie aber auch noch weiter entfernt. Ein Großteil der Höfe sind Mischbetriebe, die nicht nur das meiste Futter für die eigenen Tierbestände anbauen, sondern darüber hinaus Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Getreide anbauen und verkaufen. Einige sind vornehmlich Viehbetriebe mit Kühen, Schafen, Ziegen, Schweinen oder Geflügel. Allerdings gibt es auch ausschließliche bzw. vornehmliche Gärtnereibetriebe, die für den pflanzlichen Anteil der menschlichen Ernährung sorgen.

Sie führen Gutes im SchildeGroßbildansicht

Die Arbeitsfelder

Während des Praktikums haben die Schüler die Gelegenheit, die Landwirte bei vielen Tätigkeiten zu begleiten, mitzuhelfen und gegebenenfalls bestimmte Arbeiten selbstständig zu übernehmen: Unkraut jäten, Setzlinge pflanzen, ernten, Gemüse putzen, auf dem Markt verkaufen, Kartoffeln sortieren, abwiegen, den Stall ausmisten, Vieh füttern, Eier sortieren, melken, Joghurt und Käse herstellen. Gelegentlich wird auch der Wunsch nach dem selbstständigen Traktor-, Radlader- oder Gabelstaplerfahren erfüllt.
Radladerfahren verlangt die volle Konzentration.Großbildansicht

Der Tagesablauf

Das Praktikum bedeutet allerdings auch, sich auf einen in der Regel recht ungewohnten Tagesablauf einzulassen, früh[er] aufzustehen, überwiegend körperlich und auch bei Wind und Wetter im Freien zu arbeiten, mühselige oder langweilige Tätigkeiten durchzustehen und oft auch eine Zeit lang auf lieb gewonnene Gewohnheiten (in Bezug auf Kleidung, Fernsehen, PC etc.) zu verzichten.

 

Bei Wind und Wetter an der frischen LuftGroßbildansicht

Die Unterbringung

Sicher ist es für manche Jugendliche in diesem Alter (Die meisten Schüler/innen sind zur Zeit des Praktikums 15 Jahre alt.) nicht immer ganz leicht, sich neben allen ungewohnten Tätigkeiten auch noch in ein anderes Familienleben einzufügen. Oft ist das Landwirtschaftspraktikum die erste Zeit, die sie ohne ihre Familie, ohne ihre Klasse oder ohne ihren Freundeskreis verbringen. Viele Schüler/innen wünschen sich daher, wenigstens mit einem Freund oder einer Freundin auf einem Hof eingesetzt zu werden.

Die Erfahrungen haben jedoch auch gezeigt, dass sich Schüler einzeln oft leichter in die Familien integrieren können, während sie sich zu zweit gerne zurückziehen und in weit geringerem Maße am Familienleben teilnehmen. Dieser Aspekt, aber auch die Tatsache, dass in manchen Betrieben Praktikanten nur sehr begrenzt eingesetzt werden können, weil nicht ausreichend Tätigkeiten oder Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden sind, hat dazu geführt, dass nicht alle Familien bzw. Betriebe zwei Schüler/innen gleichzeitig aufnehmen können oder wollen.

Naturlandbetrieb mit Hofladen und CaféGroßbildansicht

Die Verteilung der Schüler/innen

Dabei spielt sicher die Zuteilung der Schüler zu den Höfen eine wesentliche Rolle. Nur einige Schüler suchen sich ihren Hof selbst, d.h. sie kennen einen landwirtschaftlichen Betrieb im Umfeld, im Bekanntenkreis oder durch Urlaubsaufenthalte und fragen nach der Möglichkeit zu einem Praktikum.

Die meisten Schüler werden jedoch vom betreuenden Lehrer den einzelnen Höfen zugeteilt. Viele Betriebe nehmen schon seit unserer Umstellung im Schuljahr 2oo2/2oo3 Schüler/innen während der Praktikumszeit auf, doch müssen auch immer wieder neue hinzukommen. Aus den unterschiedlichsten Gründen, u.a. Veränderungen in der Familien- oder Betriebsstruktur, lässt sich das Praktikum nicht immer alljährlich fortsetzen.

Auf die richtige Mischung kommt es an.Großbildansicht

Die veränderten Rhythmen

Durch die vermehrte körperliche Tätigkeit und die veränderte Umgebung wird manches wesentlich intensiver erlebt, z.B. der Rhythmus der Mahlzeiten, denn spätestens um 8 Uhr, nach der vielleicht schon zweistündigen Arbeit im Stall, braucht man, oft anders als in der Schule, ein ordentliches Frühstück! Oder der des Schlafes - nach dem Mittagessen hält man zwar ein kurzes Nickerchen, sinkt aber trotzdem bald nach dem Abendbrot rechtschaffen müde ins Bett.
Angebot und NachfrageGroßbildansicht

Angebot und Nachfrage

Dabei können die Schüler/innen gewisse Wünsche vor Antritt des Praktikums äußern, ob sie z.B. in einem Gärtnereibetrieb arbeiten möchten oder ob sie lieber mit Tieren arbeiten möchten.

Vorrang haben gelegentlich auch andere Notwendigkeiten, z. B. gesundheitliche bei Heuschnupfen, Asthma oder Tierhaarallergien. Dann ist auch ein Einsatz in einem Bioladen durchaus denkbar.

Es gibt auch ganz individuelle Absprachen, wenn z. B. ein Schüler aufgrund vielfältiger eigener Einblicke in die Landwirtschaft seine Praktikumszeit lieber auf einem Weingut verbringen möchte, um im ökologischen Weinbau Erfahrungen zu sammeln.

So fühlt man sich sauwohl!!!Großbildansicht

Formen der Auswertung

Wünschenswert ist natürlich, dass im Anschluss an dieses Praktikum die Erfahrungen zusammengetragen und ausgetauscht werden.

Dies erfolgt zum einen in Form eines Berichtsheftes, das bewusst nicht als Tagebuch angelegt wird, weil viele Schüler/innen dieses abends gar nicht mehr regelmäßig schreiben könnten. Durch vorgegebene Aufgaben wird ihr Blick ein wenig gelenkt: auf die Geschichte und Struktur des Hofes, die Ackerfläche, Fruchtfolge, den Tierbestand, die Ausbildung der Mitarbeiter vor Ort usw. Außerdem werden exemplarische oder typische Tagesabläufe beschrieben und ein Rückblick erstellt.

Darüber hinaus stellen die Schüler/innen ihre Erfahrungen im Klassenverband und in der achten, also der künftigen neunten Klasse vor.

Praktische Konsequenzen

Nicht nur die Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen und Erinnerungen, die nach diesem Praktikum zu Hause und in der Schule vermittelt werden, sind vielfältig, sondern auch die Konsequenzen, die die Schüler/innen daraus ziehen:

  • Einige ernähren sich nur noch vegetarisch,
  • die meisten wollen später nicht Bauern werden,
  • einige sind stolz, die Zeit einfach überstanden zu haben,
  • andere arbeiten in den nächsten Ferien wieder auf ihrem Hof.

Aber fast alle betrachten die Lebensmittel, die mit deren Herstellung verbundene Arbeit und natürlich auch die Menschen, die diese Arbeit tag täglich verrichten, anschließend mit anderen Augen.

                           eugen Schilling

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