Forstwirtschaftspraktikum

Am Ende der 8. bzw. am Anfang der 9. Klasse fahren unsere  Schüler zum  Wald- und Forstwirtschaftspraktikum ins Hochgebirge der Schweizer Alpen an, um unter professioneller Anleitung an verschiedenen Arbeitsplätzen zum Schutz der ursprünglichen Landschaft und zur Unterstützung der von Abwanderung bedrohten Regionen zu arbeiten.

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Was ist ein Forstwirtschaftspraktikum? Warum arbeiten unsere Schüler in den Schweizer Hochalpen?

Die Freie Waldorfschule Münster bietet ihren Schülerinnen und Schülern ein Wald- und Forstwirtschaftspraktikum im Hochgebirge der Schweizer Alpen an, in dem sie unter professioneller Anleitung an verschiedenen Arbeitsplätzen zum Schutz der ursprünglichen Landschaft und zur Unterstützung der von Abwanderung bedrohten Regionen arbeiten. Sie unterstützen durch ihre Arbeit die Erhaltung der alpinen Täler mit ihren Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten. Durch diesen praktischen Einsatz wird Naturgefahren vorgebeugt und mitgeholfen, das Erholungsbedürfnis Tausender Wander- und Freizeiturlauber in den Bergen zu sichern.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Unsere Schüler entdecken durch die Arbeit an der Jungwaldpflege, der Biotop-Erstellung,   der Lawinenverbauung, dem Wanderwegebau, usw. ökologische Zusammenhänge. Sie entwickeln Bewusstsein für das Ineinandergreifen menschlichen Handelns und Naturprozessen. Verantwortungsgefühl entsteht und wird gefördert.

Eine wesentliche Erfahrung der vergangenen Jahre ist es, dass die Schülerinnen und Schüler nach anfänglicher Skepsis vor dem Praktikum sichtbar Einsatzbereitschaft und Freude an der Arbeit entwickeln. Sie erleben, wie durch eigenes Tun für andere Menschen etwas Hilfreiches, Sinnvolles geleistet werden kann. Die Erfahrung, etwas Positives zu erschaffen, was nachhaltige Wirkung hat, macht zufrieden und stolz.
Die Schüler verspüren durch die auch anstrengende Arbeit die eigenen Grenzen und entdecken darin ihr eigenes Potential.

Seit drei Jahren fahren wir nach Disentis/Mustér ins schweizerische Graubünden. Was ist bislang dort geleistet worden?

Bisherige Arbeitsplätze

Am Fällplatz wurde ein 60-jähriger Fichtenbestand durchgeforstet. Durch das Fällen von Bäumen ernten wir nachwachsenden Rohstoff, der Platz schafft für die jungen Zukunftsbäume. So kann sich eine neue Waldgeneration entwickeln. Durch das Räumen von Astmaterial auf einer großen Holzschlagfläche verbessert sich die Ansamungsmöglichkeit für die nächsten Jungbäume.
Die Schülerinnen und Schüler lernten zunächst die Arbeitsgeräte kennen: die Axt, den Spalthammer, das Schäleisen, die Hobelzahnsäge, den Zappi.

Nichts ging ohne das Kennenlernen und Erüben des fachgerechten und verantwortlichen Umgangs mit der Axt. Vom Revierförster gekennzeichnete Bäume wurden nun fachgerecht nach der Fällrichtung ausgelegt, diese wurde markiert, die Fällkerbe herausgeschlagen, die Haltebandbreite bestimmt, bis zum Halteband mit der Hobelzahnsäge im Zweierteam eingesägt.Dann kam das besondere Erlebnis: der Baum fiel krachend und dröhnend in genau die bestimmte Richtung. Nun wurde er „aufgerüstet“: Mit der Axt wurde erst entastet, dann mit dem Schäleisen geschält. Der größte Teil des Holzes wird als Bauholz verkauft.

An einem Biotop arbeiteten wir innerhalb eines Waldstückes, wo wir in einem feuchten Wiesengrund einen Weiher erstellten und mit ausgegrabenem Erdmaterial einen Damm aus Kleinmauersteinen (Granit) als Überlauf errichteten. In dem entstandenen Weiher soll ein Lebensraum für Wasserpflanzen und Kleintiere wie Wasserläufer, Bergmolche, Laubfrösche, Kröten, Berg- und Feuersalamander sowie Libellen entstehen, wo das Wasser den ganzen Sommer über stehen bleibt und nicht austrocknet. In der tonig-lehmigen Erdschicht wurzeln Schilf, Seerosen, Sumpfhahnenfuß und Sumpfdotterblume.

An einem anderen Berghang wurde die Jungwaldpflege im Stangenholz (Bäume mit 10-20cm Durchmesser) betrieben. Markierte Zukunftsbäume, die mehr Luft und Licht zum Wachstum benötigen, wurden von ihren „Konkurrenten“ befreit. Überwiegend waren dies Birken, aber auch Fichten, Ahorn und Vogelbeere. Die Bäume wurden auf ca.50 cm Höhe gefällt, damit die übrig gebliebenen Stümpfe in dem steilen Gelände gegen Schneedruck schützen.

Zur Rekultivierung eines Waldweihers wurde ein ehemaliges Feuchtgebiet wiederhergestellt. Mit Wiedehopfhauen, Spaten, Wurfschaufeln und Spitzhacken wurden auf einer Strecke von ca. 80m Entwässerungsrohre freigeschaufelt und entfernt. Diese befanden sich in etwa 1-1,50m Tiefe.

Auf einem weiteren, über 2000m hoch gelegenen Südhang war die Instandhaltung eines Wanderweges die Aufgabe. Hier wurde ein Wanderweg, der Alpbauern, Forstarbeitern und Wanderern die sichere Begehung zu den Alpgebieten und weiteren Wanderwegen ermöglicht, wieder instand gesetzt. Mit Wiedehopfhaue, Wegpickel, Vorschlaghammer, Schaufel und Gartenschere sowie Rundhölzern und Armierungseisen wurde der Weg zunächst wieder auf 1m Breite vergrößert, da er im Laufe des Jahres natürlicherweise wieder zuwächst. Dann wurde sein Profil eingeebnet und in den Weg hineinwachsende Sträucher zurückgeschnitten. Trampelpfade und Wegabkürzungen wurden mit Steinen und Rundhölzern versperrt. Querrinnen zum Ablaufen des Regenwassers sowie Trittstufen wurden eingearbeitet .

Ein weiterer Arbeitsplatz befand sich an einem Berghang, der mehr als 45° Steigung hatte. Hier war die Aufgabe, zunächst eine Holzschlagräumung vorzunehmen. Im vergangenen Winter hatte der Schnee durch ungeheuren Druck eine breite Schneise durch den Wald geschoben und damit den Schutzwald zerstört; viele Bäume wurden verletzt oder umgestürzt .

Nach dem Holzschlag, dem Fällen der Bäume, war es zunächst wichtig, das Gelände aufzuräumen. Zu dem Zweck wurde alles Holzmaterial hinter großen Baumstümpfen aufgeschichtet. Der frei werdende Waldboden bekam dadurch wieder Licht und Luft, was dem Wachstum der Pflanzen zu gute kommt. Zum schnellen Nachwachsen des Schutzwaldes mussten anschließend Wildschutzzäune errichtet werden, in die Weißtannen und Lärchen gepflanzt wurden. Durch die Schutzzäune werden die jungen Bäume vor Wildverbiss und vor dem Schneedruck geschützt.

 Auf ca. 2000 m Höhe erstellten wir an zwei verschiedenen Stellen oberhalb der Waldgrenze einen Begehungsweg für den Neubau einer temporären Lawinenverbauung. Das bedeutet, dass in den steilen Hang (ca.45° und mehr Gefälle) ein begehbarer Weg für die Arbeiter errichtet wird. Dabei musste mit Hilfe von Wegpickel, Wiedehopfhaue, Kreuzhaue und Astschere bergseitig der Bewuchs mitsamt Erdmaterial und Gesteinen entfernt und ein mindestens etwa 60 cm breiter Weg in den Berg hineingearbeitet werden. Die Arbeiter errichten dann von diesem Weg aus mit ihren Werkzeugen und Baumaterialien aus den besonders widerstandsfähigen und haltbaren Lärchenstämmen eine ca. 50 Jahre haltbare Lawinenverbauung, in deren Schutz Nadelhölzer gepflanzt werden, die nach diesem Zeitraum selbst so groß gewachsen sind, dass sie dann ihrerseits als Lawinenschutzwald dienen können. Eine Lawinenverbauung sichert den Talort auf Menschenalter hin.

Zur Rekultivierung von Weideland wurden große Hangflächen mit Hilfe verschieden großer Sägen, mit der Axt und dem Gertel von Buschwerk, gut im Boden verankertem Ginster, Heide und Bäumen geräumt, wobei z.T. in 45°- Stellung gearbeitet wurde. Zu großen Haufen aufgeschichtet werden die Äste, Stämme, Sträucher und Buschwerk im Herbst und Winter am Hang „kontrolliert“ verbrannt und geben so durch die Asche dem kargen Boden neue Düngung.

Zur Wiederherstellung von eingebrochenen, durch Regen ausgewaschenen und durch Viehbetrieb zerstörten meterhohen Trockensteinmauern, die zur Ermöglichung von Weideflächen oder zum Weinanbau vor Jahrhunderten terrassenförmig an den Steilhängen errichtet worden waren, mussten diese zunächst wieder bis auf das Fundament abgetragen und dann kunstgerecht neu aufgerichtet werden.

Auf jedem Arbeitsplatz wurde das Waldtagebuch geführt, in dem man über das Was, das Wo, das Wie und das Warum der jeweiligen Tätigkeit reflektierte.

Täglich arbeiteten wir von 8 – 17.30 Uhr.

 



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