Forstwirtschaftspraktikum 2009
16. - 26. August 2009
Auch in diesem Jahr arbeitete unsere 9. Klasse in der Gemeinde Disentis / Mustér im Bündner Oberland in der Schweiz. 35 Schülerinnen und Schülern, ihre Klassenbetreuerin Frau Stücke und Herr Schulte reisten direkt zu Schuljahresbeginn am 16. August 2009 mit dem Zug in ihr Forstwirtschaftspraktikum.
Im Camp Glaretsch, der Unterkunft, wurden wir mitsamt dem Betreuerteam von unseren Köchinnen Frau Licht und Frau Schneider hervorragend bekocht.
Unter der Leitung der Bildungswerkstatt Bergwald, einer seit fast 15 Jahren in den Schweizer Bergen tätigen Bildungseinrichtung, die im Netzwerk des öffentlichen und privaten Schulwesens ökologische und soziale Bildungsarbeit für eine nachhaltige Entwicklung anbietet, wurden wir aktiv: Eingeteilt in 5 Arbeitsgruppen, die jeweils von einem Förster oder Forstingenieur geführt wurden, fuhren wir in den Puchs, den Jeeps vom Schweizer Militär, auf verschiedene Arbeitsplätze. Die Schüler verrichteten unterschiedlichste Aufgaben im Forstrevier.
Am Fällplatz wurde ein 60-jähriger Fichtenbestand durchgeforstet. Die Schülerinnen und Schüler lernten zunächst die Arbeitsgeräte kennen: die Axt, den Spalthammer, das Schäleisen, die Hobelzahnsäge, den Zappi.
Nichts ging ohne das Kennenlernen und Erüben des fachgerechten und verantwortlichen Umgangs mit der Axt. Vom Revierförster gekennzeichnete Bäume wurden nun fachgerecht nach der Fällrichtung ausgelegt, diese wurde markiert, die Fällkerbe herausgeschlagen, die Haltebandbreite bestimmt, bis zum Halteband mit der Hobelzahnsäge im Zweierteam eingesägt.
Dann kam das besondere Erlebnis: der Baum fiel krachend und dröhnend in genau die bestimmte Richtung. Nun wurde er „aufgerüstet“: Mit der Axt wurde erst entastet, dann mit dem Schäleisen geschält. Der größte Teil des Holzes wird als Bauholz verkauft.
An einem anderen Berghang wurde die Jungwaldpflege im Stangenholz (Bäume mit 10-20cm Durchmesser) betrieben. Markierte Zukunftsbäume, die mehr Luft und Licht zum Wachstum benötigen, wurden von ihren „Konkurrenten“ befreit. Überwiegend waren dies Birken, aber auch Fichten, Ahorn und Vogelbeere. Die Bäume wurden auf ca.50 cm Höhe gefällt, damit die übrig gebliebenen Stümpfe in dem steilen Gelände gegen Schneedruck schützen.
Zur Rekultivierung eines Waldweihers wurde ein ehemaliges Feuchtgebiet wiederhergestellt. Mit Wiedehopfhauen, Spaten, Wurfschaufeln und Spitzhacken wurden auf einer Strecke von ca. 80m Entwässerungsrohre freigeschaufelt und entfernt. Diese befanden sich in etwa 1-1,50m Tiefe.
Auf einem weiteren, über 2000m hoch gelegenen Südhang oberhalb von Disentis war die Instandhaltung eines Wanderweges die Aufgabe. Hier wurde ein Wanderweg, der Alpbauern, Forstarbeitern und Wanderern die sichere Begehung zu den Alpgebieten und weiteren Wanderwegen ermöglicht, wieder instand gesetzt. Mit Wiedehopfhaue, Wegpickel, Vorschlaghammer, Schaufel und Gartenschere sowie Rundhölzern und Armierungseisen wurde der Weg zunächst wieder auf 1m Breite vergrößert, da er im Laufe des Jahres natürlicherweise wieder zuwächst. Dann wurde sein Profil eingeebnet und in den Weg hineinwachsende Sträucher zurückgeschnitten. Trampelpfade und Wegabkürzungen wurden mit Steinen und Rundhölzern versperrt. Querrinnen zum Ablaufen des Regenwassers sowie Trittstufen wurden eingearbeitet .
Ein weiterer Arbeitsplatz befand sich an einem Berghang, der mehr als 45° Steigung hatte. Hier war die Aufgabe, zunächst eine Holzschlagräumung vorzunehmen. Im vergangenen Winter hatte der Schnee durch ungeheuren Druck eine breite Schneise durch den Wald geschoben und damit den Schutzwald zerstört; viele Bäume wurden verletzt oder umgestürzt .
Nach dem Holzschlag, dem Fällen der Bäume, war es zunächst wichtig, das Gelände aufzuräumen. Zu dem Zweck wurde alles Holzmaterial hinter großen Baumstümpfen aufgeschichtet. Der frei werdende Waldboden bekam dadurch wieder Licht und Luft, was dem Wachstum der Pflanzen zu gute kommt. Zum schnellen Nachwachsen des Schutzwaldes mussten anschließend Wildschutzzäune errichtet werden, in die Weißtannen und Lärchen gepflanzt wurden. Durch die Schutzzäune werden die jungen Bäume vor Wildverbiss und vor dem Schneedruck geschützt.
Auf jedem Arbeitsplatz wurde das Waldtagebuch geführt, in dem man über das Was, das Wo, das Wie und das Warum der jeweiligen Tätigkeit reflektierte.
Täglich arbeiteten wir von 8 – 17.30 Uhr.
Am Wochenende gab es einen freien Tag, an dem ausgeschlafen wurde. Die Schüler wurden am späten Vormittag mit einem Brunch erfreut. Am Abend grillten wir, obwohl es leider etwas regnete.
Am Sonntag wanderten wir auf den 2740m hohen Pazolastock und erfrischten uns anschließend am Quellsee des Rheins, dem Lai da Tuma.
Insgesamt gab es ein überaus positives Feedback, sowohl von Seiten des Försters, der alle Arbeitsstellen begutachtete, als auch von den Betreuern Steffi, Martin, Lukas, Rolf, Diego, Kasper und Dieter. Auch die Schüler äußerten sich trotz der anstrengenden Arbeit sehr zufrieden mit ihrem Praktikum .














