Bericht vom Forstwirtschaftspraktikum - Juli 2011
Unmittelbar vor den nun vergangenen Sommerferien haben die Schülerinnen und Schüler der jetzigen 9.Klasse ihr Forstwirtschaftspraktikum in den Schweizer Bergen erfolgreich absolviert.
10 Tage voller Arbeit, mit viel Fleiß und Schweiß und in diesem Jahr auch viel Nässe wurde an fünf ganz unterschiedlichen Arbeitsplätzen in der Graubündener Region Disentis/Mustér zwischen 1300m und 2000m geschafft.
An z.T. sehr steilem Gelände (45°) war - gerade wegen des oft anhaltenden Regens – gute Trittsicherheit erforderlich.
In der Jungbaumpflege wurden in ca. 2000m Höhe bei herrlicher Aussicht auf das Rheintal mit dem Gertel, einem speziellen Messer, junge Bäume von Gras und Farnen frei geschnitten, um ihnen Luft und Licht zum freien Wachstum zu ermöglichen, damit sie später ihre Funktion als Schutzwald einnehmen können. Anfänglich schauten die Jugendlichen ängstlich auf das steile Gelände, mit den Tagen bewegten sie sich souverän in dieser Umgebung.
Wenige 100m entfernt wurde mit schwerem Arbeitsgerät, mit Wiedehopfhauen, Vorschlaghammer, verschiedenen Schaufeln und Spaten sowie Brecheisen ein Begehungsweg für die Forstarbeiter erstellt, damit diese mit ihrem schweren Gepäck nicht an steilem Gelände abrutschen.
Dazu wurden teilweise Felsbrocken bewegt, die über eine Tonne Gewicht hatten. Da musste man mitunter mit dem Werkzeug zu viert gleichzeitig zupacken!
An einer weiteren Arbeitstelle wurde an steilem Gelände eine Schlagräumung durchgeführt und dann Wildschutzgatter errichtet, um jungen Bäumen
ungestörtes Wachstum zu ermöglichen.
Neben der Erstellung eines Biotops in einem Moorgebiet wurden auf dem Fällplatz Bäume gefällt, wobei jeder Schüler, jede Schülerin nicht nur den fachgerechten Umgang mit der Axt, sondern gleichfalls die einzelnen Arbeitsschritte des Baumfällens erlernte, so dass jeder seinen Baum fachgerecht und zielgenau fällen, ihn entasten und schälen konnte. Die Handhabung der Fachwerkzeuge des Spalthammers, der Keile, des Zappi, des Kehrhakens sowie des Schäleisens wurde ebenfalls erlernt.
Früh hieß es morgens aufstehen, und so mancher Blick in den verhangenen und oft verregneten Himmel, der nur an den ersten zwei Tagen warmes Sonnenlicht durchließ, war mussmutig. Dann ging es mit entsprechender Regenkleidung an die Arbeit, bei einem langen Arbeitstag von 8 bis 17.30 Uhr, mit dazwischen liegender einstündiger Mittagspause, in der nach dem gemeinsamen Essen oft geschlafen wurde.
In mehreren Gruppen arbeiteten die Schüler auf den täglich wechselnden Arbeitsplätzen. Geschafft und hungrig, aber zufrieden, oft mit nasser Kleidung, doch gut gelaunt und mit heiterer Fröhlichkeit kamen alle mit den Puchs (Jeeps) z.T. laut singend an der Unterkunft wieder an.
Am freien Samstag - das Wetter war ausnahmsweise schön - machten wir eine Bergwanderung zum Tomasee, der Quelle des Vorderrheins. Dafür musste aber zunächst ein 2740m hoher Gipfel erklommen werden, was alle gut schafften. Herrliche Aussichten in die Gletscherzonen der Zentralschweiz, zum Furkapass, ins langgestreckte Vorderrheintal, zum Gotthardmassiv waren die Belohnung.

Lange Arbeitstage bei überwiegend schlechtem Wetter mit häufig anhaltendem Regen schufen Erfahrungen, die bislang noch nicht gemacht wurden:
Das Erlebnis von Zeit, die vollständig mit Arbeit gefüllt war;
weiter zu arbeiten, auch wenn die Lust schwindet;
Durchhalten bei widrigen Verhältnissen;
sich gegenseitig zuarbeiten und diese wirkliche Teamarbeit
auch zu bemerken in der Reflexion;
Erfahrung von tatsächlicher „Gemeinschaft“ nach gemeinsamer Arbeit;
innere Zufriedenheit und Stolz, etwas geschafft zu haben.
Der Revierförster sagte: „Es ist wichtig, dass die Jugendlichen erfahren dürfen, was es bedeutet, Extremsituationen (z.B. Regen, Regen und nochmals Regen;
in steilem, überhängendem Gebirge zu arbeiten; eine Wanderung zum Tomasee; kleine Blessuren wegzustecken und weiter zu machen, etc.) gemeinsam zu meistern - vielleicht aber auch aus solchen Situationen lernen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden“.
Die Gruppenleiter der Bildungswerkstatt äußerten sich sehr positiv über die Arbeitsbereitschaft und die Fähigkeiten der Klasse sowie über die Qualität der geleisteten Arbeit. Der Revierförster dankte den Schülern abschließend nachdrücklich für die „ausgezeichnete Arbeit“.
Mein Dank geht an die fleißige Klasse, an die Gruppenleiter der Bildungswerkstatt Bergwald und besonders auch an die fröhliche und lebendige Küchencrew
Sylvia Markfort, Lisa Nortmann und Beate Ossege, die uns so lecker verköstigt haben.
Aus den Rückblicken der Schüler ergibt sich folgendes Bild:
„Die Arbeitstage waren relativ lang und anstrengend, doch am Ende war man froh zu
sehen, was man geschafft hatte. Ich finde, dass man auf die ganze Klasse
stolz sein kann, denn jeder war wichtig und hat zum Ganzen beigetragen.“
„Als es A. (eine Schülerin) nicht gut ging und sie zurück musste,
haben alle für sie mitgearbeitet.“
„Da das Wetter meist schlecht war, war das Arbeiten oft ziemlich mühsam. Aber es
machte auch Spaß, und am Abend ging man mit guter Laune in den Feierabend.“
„Der Regen machte zwar eine miese Stimmung, aber unsere Gruppe vertrieb diese
entweder mit Gesang oder lustigen Unterhaltungen.“
„Ich fällte mit meiner Gruppe den dicksten Baum der Woche, was die anderen und
mich stolz machte.“
Ein Junge schrieb: „Die Gegend war trotz des Wetters atemberaubend und
wunderschön.“
„Ich fand es sehr gut, dass wir uns nicht aussuchen durften, mit wem wir in einer
Gruppe sind. So konnte man die Klassenkameraden, mit denen man
sonst nichts zu tun hat, näher kennen lernen.“
„In der Gruppe habe ich bemerkt, dass man eine Perle in der Kette ist, denn ohne
Zusammenhalt in der Gruppe funktioniert nichts.“ „…bin ich zufrieden, dass die
gesamte Klasse zusammengehalten und die Höhen und Tiefen gemeistert hat.“
„Mit den Betreuern haben wir uns sehr gut verstanden.“ „Sie waren alle sehr nett
und freundlich, sie konnten aber auch in wichtigen Situationen streng sein
und durchgreifen.“
Stellvertretend für sehr viele Äußerungen hieß es:
“Im Rückblick muss ich sagen, dass mir das Praktikum trotz des überwiegend
schlechten Wetters sehr viel Spaß gemacht und richtig gut gefallen hat,
obwohl es auch sehr anstrengend war.“
Ein Mädchen schrieb: „Du wirst viel zu früh geweckt, aber du bist munter. Du
möchtest einen sonnigen Arbeitstag, aber es regnet. Du bist am Ende deiner Kräfte,
aber du machst weiter. Du tust dir weh, aber du befasst dich nicht mit dem Schmerz.
Und dann ertönt das heiß ersehnte „Wir sind fertig für heute!“ und du merkst, wie
schnell die Zeit vergangen ist. – Für alle Erfahrungen, alle Gefühle, die ich
gesammelt und empfunden habe, bin ich richtig dankbar.“
„Ich würde niemanden davon abhalten, dieses Praktikum zu machen. Denn die Betreuer
waren lustig und nett. Die meisten Arbeiten machten mir Spaß. Das Brot in den Pausen
war sehr lecker, auch das Essen nach der Arbeit war sehr gut. Die Wanderung war sehr
interessant. Es machte sehr viel Spaß, im Regen im Puch durch die Berglandschaft zu
rasen. Ich habe noch nie so eine schöne Landschaft gesehen.“
„…muss ich sagen, dass mir das Arbeiten Spaß gemacht hat, denn man hatte immer
wieder das Gefühl, etwas geschafft zu haben, von dem man auch später noch etwas
sehen kann. Außerdem war es gut zu sehen, wann man selber an seiner
körperlichen Grenze war.“
„Das Bäumefällen fand ich besonders gut, weil es einfach schön ist, als kleiner Mensch
so einen großen Baum zu fällen; es gab eigentlich nichts, was ich nicht gut fand.“
„Die Arbeit war anstrengend, aber schön und ich habe viel gelernt. Wir hatten sehr
viel Spaß im Haus, aber auch auf den Arbeitsplätzen.“
„Im Rückblick waren es zehn spannende, lehrreiche und nasse Tage. Es war auf
den Arbeitsplätzen eine gute Mischung aus Humor und Arbeit vorhanden.“
„Ich finde es gut, dass wir in vielen Jahren dort hinkommen können und die
Ergebnisse unserer Arbeit sehen können.“
„Ich habe jetzt viel mehr Respekt vor Leuten, die diese Arbeit beruflich oder
hobbymäßig machen.“
„Der Abschied fiel allen schwer und ich werde die tolle Aussicht, die Arbeit, die Betreuer sowie den tollen Schweizer Akzent vermissen!“
„Wenn ich nun aus dem Fenster schaue, merke ich, wie sehr ich es jetzt schon
vermisse zu arbeiten und in einer großen Gemeinschaft zu wohnen.“
Einige meinten: „Ich würde das Praktikum jederzeit wiederholen, da es mir wirklich gut gefallen hat.“ „Ich persönlich würde das Praktikum jederzeit gerne wieder machen, nur nicht jetzt sofort, denn es war sehr anstrengend und ich muss mich jetzt erst wieder erholen.“ R.Schulte