Natur und Kultur in Kiew und auf der Krim
Im Oktober 1990, also noch vor der Auflösung der Sowjetunion, fand die Klassenfahrt der ersten 12. Klasse unserer Schule auf die Krim statt. Wie in den folgenden beiden Jahren fand ein Gegenbesuch von Schüler/innen der Schule Nr. 7 in Jalta statt.
Seitdem hat sich zwar geographisch und politisch sehr viel verändert, aber die Halbinsel im Schwarzen Meer ist aufgrund ihrer vielfältigen Angebote und Sehenswürdigkeiten weiterhin ein lohnendes Ziel geblieben.
Die Anreise per Bahn
Seit ein paar Jahren kann man als EU-Bürger visafrei in die Ukraine reisen, die seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 ein unabhängiger Staat ist.
Wir (32 Schüler/innen der 12. Klasse und 3 Betreuer) sind innnerhalb von fast 25 Stunden Fahrt mit dem Nachtzug von Berlin nach Kiew gefahren und waren in Drei-Bett-Abteilen untergebracht.
Nachdem wir in Dorohusk die polnisch-ukrainische Grenze passiert hatten, wobei wir nur unsere Reisepässe vorzuweisen hatten, kamen wir nach Jagodin, wo die einzelnen Waggons umgespurt wurden.
Da es in den GUS-Staaten eine Breitspurbahn gibt, werden die Fahrgestelle von den Wagenkästen gelöst und diese in einer Halle mit Hebeböcken auf ca. 1,5 m angehoben. Die Drehgestelle werden herausgezogen und die neuen für die breitere Spur gleichzeitig unter die Wagen gezogen.
Nachdem die neuen Fahrgestelle unter den Wagen positioniert sind, werden die Wagenkästen wieder abgesenkt und mit den Drehgestellen verbunden. Bei Reisezugwagen werden zusätzlich auch die Kupplungen ausgetauscht.
Nach etwa 2 Stunden, in denen die Reisenden die Waggons nicht verlassen dürfen und die Toiletten natürlich geschlossen sind, kann die Fahrt dann endlich fortgesetzt werden.
Zwischenstopps in Kiew
Aufgrund der ungünstigen Terminierung von Anschlusszügen nach Simferopol bzw. Berlin haben wir sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt die Möglichkeit genutzt, die älteste osteuropäische Stadt, wo eine Schülerin während der 11. Klasse ein Auslandsjahr verbracht hatte, zu besichtigen.
Nach einer Übernachtung im Schlafssack in der Turnhalle und dem Tanzraum einer Vorortschule haben wir am nächsten Tag das Goldene Tor von Kiew besichtigt, das von 1017-1024 auf Befehl des Kiewer Großfürsten Jaroslaw des Weisen gebaut wurde. Als Muster diente das Goldene Tor von Konstantinopel. Das neue Tor, das ein Museum beherbergt, wurde 1982 anlässlich des 1500-jährigen Bestehens von Kiew eröffnet.
Das Kiewer Höhlenkloster liegt am hügelig aufragenden Westufer des Dnjepr südlich des heutigen Stadtzentrums. Der große, von Mauern umgebene Klosterkomplex teilt sich in zwei Bereiche. Beide Teile umfassen eine Vielzahl von kulturell bedeutenden Kirchen, Klöstern und Museen sowie Mönchshöhlen, die den historischen Kern der Anlage bilden.
Der Klosterkomplex, der seit 1990 zum Weltkuturerbe der UNESCO zählt, ist eines der ältesten russisch-orthodoxen Klöster der Kiewer Rus, weshalb die Russen das Gefühl haben, durch die ukrainische Unabhängigkeit einen Teil ihrer Wurzeln verloren zu haben.
Auf der Krim
Auf die Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer, die der Vorsitzende der Kommunistischen Partei und das Staatsoberhaupt der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow, 1954 der damaligen Ukrainischen Sowjetrepublik geschenkt hat, gelangten wir mit dem Nachtzug von Kiew nach Simferopol, der Hauptstadt der Krim.
Mit Maschrutkas, Kleinbussen mit etwa 20 Sitzplätzen, gelangten wir nach der gemächlichen Zugfahrt in rasanter Fahrt über das Krimgebirge zu unserer Unterkunft in Jalta, wo viele Schüler/innen endlich wieder einmal duschen wollten.
Untergebracht in Ein- bis Vierbettzimmerm mit Bad bekamen wir im Lehrerpensionat nicht nur unsere Nachtruhe, sondern auch unser Frühstück und Abendbrot.
Kulturelle und naturelle Ausflugsziele
Bei unserem 6-tägigen Aufenthalt haben wir vielfältige Ausflüge an der Südküste der Krim unternommen, zu Fuß, mit Maschrutkas, Trolleybussen oder Booten.
Dabei haben wir u.a. das Haus des russischen Schriftstellers und Dramatikers Anton Pawlowitsch Tschechow(1860-1904) in Jalta und seine Datscha sowie das Puschkinmuseum in Gursuf besichtigt.
Ein deutscher Baron ließ es 1911 bauen, damals noch auf dem Festland. Erst ein gewaltiger Felsabriß ließ die Klippe entstehen, auf der das Schwalbennest heute thront.
In der Bucht von Balaklawa, die schon im der Antike von Griechen besiedelt wurde, ließ Stalin in der Zeit des Kalten Krieges einen gigantischen Atombunker bauen. Das "Projekt 856 GTU" war eines der bestgehüteten Geheimnisse der Sowjetunion. Jahrzehntelang wurden in der Werft U-Boote der russischen Schwarzmeerflotte repariert. Auch deren Atomraketen lagerten dort.
Für uns war das ehemalige militärische Speergebiet Ausgangspunkt einer Tour auf dem Schwarzen Meer. Mit drei kleinen Booten sind wir an der Küste entlang geschippert und haben in einer kleinen Bucht und auf dem offenen Meer geankert, um schwimmen zu gehen. Abgesehen von einigen Quallen, besonders in Küstennähe, war das Badevergnügen garantiert.
Der Woronzow-Palast ist eine architektonische Verbindung zwischen Europa und Asien. Während die Südfassade des Schlosses, von der aus man auf das Schwarz Meer blickt, im maurischen Baustil gebaut worden ist, hat die Nordfassade den typischen einen englischen Tudorstil.
Ein Ort voller Impressionen liegt auch östlich von Jalta, an der Küstenstraße in Richtung Aluschta. Hier befindet sich das bekannteste Weinanbaugebiet der Ukraine. In Massandra wurde 1894 eine Weinkellerei zur Versorgung des Zarenhofes eingerichtet.
In den riesigen Katakomben lagern die besten Weine der Krim. Nach einer Besichtigung konnten wir uns bei einer Weinprobe einen Eindruck von der reichhaltigen Palette der Produkte (vom trockenen Rotwein bis zu schweren Dessertweinen) verschaffen.
Die erfahrene Rückreise
Am frühen Montagnachmittag begann etappenweise die Rückreise, die erst am Donnerstag nachmittg in Münster endete:
- mit Maschrutkas zum Bahnhof in Simferopol,
- Zugfahrt nach Kiew,
- ein Tag und eine Nacht Aufenthalt in der ukrainischen Hauptstadt,
- Zugfahrt nach Berlin mit verspäteter Ankunft,
- direkt vom Berliner zum Münsteraner Hauptbahnhof.
Auch wenn wir so die Zwischenstände und das Ergebnis des Halbfinales zwischen Deutschland und der Türkei nur per SMS bzw. Handy erfahren haben, hoffen doch alle, dass sie noch vor der nächsten Fußball Europameisterschaft wieder die Gelegenheit haben werden, in die Ukraine zu kommen, die in vier Jahren zusammen mit Polen das Gastgeberduo sein wird.





















