Geschichte
Wesentliche Fragenkomplexe
Klasse 9
Der Übergang in die Oberstufe
Nachdem die Schüler/innen schon während der Klassenlehrzeit vier Jahre lang Epochen im Fach Geschichte gehabt und die geschichtliche Entwicklung von den Anfängen bis zur Neuzeit in wesentlichen Etappen verfolgt haben, erfolgt wie in allen anderen Epochenfächern mit dem Übergang in die so genannte Oberstufe ein Neuanfang in der Form eines Wechsels zum Fachlehrer.
Die menschenkundliche Situation
Die Neuntklässler orientieren sich vielfach an Idealen, verlangen nach Wahrhaftigkeit, versuchen mit sich, der Geschlechtsreife und ihren Gefühlen zurechtzukommen, wobei ausschließliche Sympathie oder Antipathie oft dominieren. Dabei behilflich zu sein, ein neues Verhältnis des eigenen Ichs zur Welt zu finden, dazu kann der Geschichtsunterricht in folgender Weise beitragen.
Die behandelten Gegenstandsbereiche
Eine Möglichkeit besteht darin, gemeinsam die deutsche Geschichte seit der Französischen Revolution zu betrachten. In der Regel ausgehend von deren Impulsen (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), die in der 8. Klasse betrachtet worden sind, werden u.a. die vielfach gescheiterten revolutionäre Prozesse in Deutschland betrachtet. Im Zentrum der gemeinsamen Betrachtung stehen zum Teil Biographien (z B.: Johann Gottlieb Fichte, Georg Büchner, Otto von Bismarck, Rosa Luxemburg usw.), die indirekt auf die latenten Fragen der Jugendlichen eingehen: die familiäre und schulische Ausgangsposition, die Suche nach neuen Bindungen, Freundschaft, die Auseinander-setzungen mit Widrigkeiten und mögliches Scheitern kommen zur Sprache.
Der 9. November als Schlüsseldatum der deutschen Geschichte
Beginnend mit der Erschießung des linksliberalen Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, Robert Blum, nach der Niederschlagung des Oktoberaufstands von Wien im Rahmen der Märzrevolution können Höhen und Tiefen der letzten 150 Jahre deutscher Geschichte veranschaulicht werden. Von der gescheiterten Revolution 1848/49 bis zur friedlichen Revolution 1989.
Weitere Sationen sind u.a.:
- 1918: Novemberrevolution : Reichskanzler Maximilian von Baden verkündete eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und betraute Friedrich Ebert mit den Amtsgeschäften. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief gegen 14 Uhr vom Reichstagsgebäude aus die „deutsche Republik“ aus. Zwei Stunden später verkündete der Spartakist Karl Liebknecht vom Berliner Stadtschloss aus die deutsche Räterepublik.
1923: Der Hitler-Ludendorff-Putsch wurde von der Bayerischen Landespolizei vor der Feldherrnhalle in München blutig niedergeschlagen, nachdem der Bayerische Ministerpräsident Gustav Ritter von Kahr über den Rundfunk seine Unterstützung für den Putsch zurückgenommen und die Auflösung der NSDAP erklärt hatte.
1938: Reichspogromnacht: Im Deutschen Reich kam es reichsweit zu organisierten Übergriffen gegen Juden und jüdische Einrichtungen, bei denen unter anderem Synagogen in Brand gesteckt wurden. Polizei und Feuerwehr hatten Weisung, nur nichtjüdisches Eigentum zu schützen.
1989: Fall der Berliner Mauer: Nachdem SED-Politbüromitglied Schabowski auf einer im DDR-Fernsehen übertragenen Pressekonferenz die Gewährung von Reisefreiheit bekanntgegeben und die Nachfrage nach dem Beginn dieser Regelung mit „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich“ beantwortet hatte, strömten Tausende zu den Grenzübergangsstellen: Beginnend mit dem Übergang Bornholmer Straße öffneten sich für die DDR-Bürger damit die Berliner Mauer und die anderen innerdeutschen Grenzen.
Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Ein allgemeines Ideal?
Da die Schüler/innen an unserer Schule ab der 1. Klasse Russisch lernen, ist es für sie besonders interessant die Wechselwirkungen der deutschen und russischen Geschichte in den letzten beiden Jahrhunderten kennen zu lernen.
Ausgehend vom Kommunistischen Manifest der Deutschen Marx und Engels ist im letzten Schuljahr die Umsetzung der revolutionären Ideen im zaristischen Reich betrachtet worden, die schließlich zur Oktoberrevolution und zur Gründung der Sowjetunion geführt hat.
Die Gewaltmaßnahmen der Stalinära (Industrialisierung, Kollektivierung, Gulag usw.) sind ebenso thematisiert wie der II. Weltkrieg und seine Folgen.
Am Ende der Epoche ist dann der Weg von der SBZ / DDR bis zur Wiedervereinigung und zum Zerfall der Sowjetunion behandelt worden.
So konnte einerseits das fatale Missverständnis des Kommunismus, der Wirtschaft das Gleichheitsprinzip überstülpen zu wollen, erkannt werden und andererseits das immer noch weitgehend uneingelöste Ideal, das weiterhin zukunftsweisend sein sollte.
Klasse 10
Der Ausgangspunkt
Ich schaue in die Welt,
in der die Sonne leuchtet,
in der die Sterne funkeln,
in der die Steine lagern,
die Pflanzen lebend wachsen,
die Tiere fühlend leben,
in der der Mensch beseelt,
dem Geiste Wohnung gibt.
Rudolf Steiner
Ausgehend von diesem ersten Teil des Morgenspruches, den die Schüler/innen seit der 5. Klasse jeden Morgen am Anfang des Hauptunterrichts sprechen, beschäftigen wir uns in groben Zügen mit der Entstehung des Universums, des pflanzlichen und tierischen Lebens sowie der Entwicklung des Menschen, also den so genannten ur- oder vorgeschichtlichen Ereignissen. Zum einen ist es so möglich den Morgenspruch neu zu greifen und zum anderen leuchtet durch den Rückblick auf den so genannten Urknall die historisch fundamentale Dimension der Zeit auf.
Der Schwerpunkt
Entwicklungspsychologische Hintergründe
Das entspricht dem Bedürfnis der Zehntklässler, die vielfach nicht mehr oder noch nicht wieder fähig sind, ihre inneren Erlebnisse preiszugeben auszudrücken. Zum Teil gerät die Sprachfähigkeit in eine Krise, so dass bisweilen nur Kurzantworten möglich sind.
Klasse 11
Menschenkundliche Voraussetzungen
Nach den beiden ersten Jahren der Oberstufe, in denen häufig Irritationen der Pubertät und der Nachpubertät spürbar sind, entwickeln die Schüler/innen jetzt eine größere Differenzierungs- und Beurteilungsfähigkeit. Oft ist in Gesprächen oder in den Darstellungen im Epochenheft ein neues Zur-Sprache-Kommen spürbar, das auf einer fortschreitenden seelischen Abrundung ihrer Persönlichkeit gründet und in eine einfühlsamere Urteilsfindung mündet
Der Zusammenhang zum Deutschuntericht
Die Epoche dieser Jahrgangstufe steht in enger Beziehung zur ersten der beiden Deutschepochen, in der Wolfram von Eschenbachs 'Parzival' behandelt wird. Dieser höfische Roman, als exemplarische Entwicklungsgeschichte mit den Stufen von Versagen, Schuld, Zweifel und Gnade, thematisiert in gelungener Weise das Moment der Verinnerlichung vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Welt und dokumentiert die Grenzen und Möglichkeiten einer von stark gesellschaftlichen Gesichtspunkten geleiteten Lebensführung.
Die thematisierten Aspekte
Ausgehend von drei Erbschaften der Antike (hellenistische, römische und jüdische Kulturelemente) und einer Betrachtung der Germanen, eines Volkes im geschichtlichen Wartestand, werden die wesentlichen Aspekte des Mittelalters (Christianisierung, klösterliches, höfisches/ritterliches und städtisches Leben, Feudalismus, Begegnung mit dem Islam usw.) behandelt. Dabei werden auch Biographien von Herrschern und Heiligen (z.B. Karl der Große, Otto der Große, Friedrich II., Augustinus, Benedikt von Nursia, Bernhard von Clairvaux) thematisiert, die als Ausgangspunkt für fruchtbare Betrachtungen über menschliche Fähigkeiten und Tugenden dienen können. So kann es für die Schüler/innen z.B. zu einer ernsthaften Frage werden, wie man freiwillig die mönchischen Gelübde (Armut, Demut und Keuschheit) ablegen kann.
Klasse 12
Die Epoche zur Bewusstseinsentwicklung der Menschheit
In der Epoche ist ein Überblick über die bewusstseinsgeschichtlichen (religiösen, kulturellen, philosophischen usw.) Hintergründe der Geschichte vorgesehen. Da dies nur exemplarisch möglich ist, haben sich die Zwölftklässler in einigen Schuljahren dafür entschieden, die kulturelle Entwicklung in Asien und Afrika intensiver zu betrachten., die bis dahin kaum oder gar nicht thematisiert worden war. Unter anderem haben wir uns mit Auszügen aus zentralen asiatischen Schriften (Bhagvadgita, Tao-te-king, Lun Yü) und den originär asiatischen Religionen (Buddhismus und Hinduismus) beschäftigt, um der Andersartigkeit der Asiaten ein Stück weit näher zukommen.
Die FachstundenNeben einer Epoche erhalten die Schüler/innen der Abschlussklasse wöchentlich zwei Stunden Unterricht im Fach Geschichte.
In den Fachstunden wird der im Laufe der Jahre angelegte Umgang mit Quellen vertieft und systematisiert, wobei der Inhalt ebenfalls von den Schüler/innen (mit)bestimmt wird. Meistens werden Themen aus der jüngeren deutschen bzw. europäischen Geschichte gewünscht, wobei besonders die Entwicklungen des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt des Interesses stehen. In diesem Schuljahr haben die Schüler/innen sich für die gemeinsame Erarbeitung folgender Gegenstandsbereiche entschieden: der I. Weltkrieg, die Weimarer Republik, die nationalsozialistische Machtergreifung, der Holocaust.
Die individuelle Hausarbeit
Neben dieser gemeinsamen Arbeit während des Unterrichts steht die eigenständige Beschäftigung jedes einzelnen Schülers mit einem Thema. Die Vorgabe seitens des Lehrers ist nur, ausgehend von einem gegenwärtig zu beobachtenden Phänomen (in einem Land, bei einem Volk, in einer Region oder Religion/Kultur) dessen geschichtliche Wurzeln (zumindest ansatzweise) zu ermitteln.
Die eigene Recherche
Damit die Schüler/innen genügend Zeit zur Ausarbeitung ihrer individuellen Arbeit haben, die als Hausaufgabe an die Stelle des ansonsten üblichen Epochenheftes tritt, hat es sich bewährt, die Geschichtsepoche an den Anfang des Schuljahres zu legen. So haben sie die Möglichkeit, sich intensiver mit den von ihnen individuell gewählten Themen zu beschäftigen und fundierte Auseinandersetzungen mit Fragen, die oft eine umfangreiche Recherche und Lektürearbeit erfordern, vorzulegen.
Die Themen
In den letzten Schuljahren sind z. B. Arbeiten mit folgenden Titeln vorgelegt worden:
- Afghanistan - Ein Land zwischen gestern und heute
- Die Aborigines - Von der Traumwelt zum Alptraum
- Spanien und der Stierkampf
- Die Massai - Ein Kampf um die Tradition
- Shaolin - Der Buddhismus in China
- Die Situation der Frau in Indien, der größten Demokratie der Welt
- Armut - das Schicksal Afrikas?
- Sextourismus in Thailand
- Die Beschneidung von jungen Mädchen in Afrika
- Hikikomori - Ein japanisches Phänomen
- Die Mafia. Eine ehrenwerte Gesellschaft?
- Die Demokratische Republik Kongo - Das größte Katastrophengebiet der Welt
- Zwischen Okzident und Orient - Die Integration der Türkei in die EU?
- Island - Die Heimat der Elfen und Feen
- Die Sonderstellung der Schweiz in Europa
- Nordkorea - Außenseiter der Welt
- Türkische Migranten in Deutschland. Ein Einblick in das Leben einer vieldiskutierten Einwanderungsgruppe
- Die Amischen - Ein Leben zwischen Glauben und Verfolgung
- Die Gastfreundschaft in Russland
Klasse 13
Im Abitur ist das Fach Geschichte zwar für alle Schüler/innen ein schriftliches Prüfungsfach, allerdings nehmen sie, da es sich um das 4. Abiturfach handelt, nicht an den zentralen Prüfungen teil, sondern sie werden dezentral geprüft.
Im Grundkurs Geschichte werden in den beiden Halbjahren der 13. Klasse zwei Themen behandelt, aus denen der Lehrer gemäß den Richtlinien für die gymnasiale Oberstufe drei Klausurvorschläge entwickelt und dem Fachdezernenten bei der Bezirksregierung vorlegt. Dieser wählt zwei davon aus, die dann den Prüflingen am Tag der schriftlichen Abiturpüfung im Fach Geschichte zur Auswahl vorgelegt werden.







