Geschichte

Im Fach Geschichte, das wie die anderen Fächer einen eigenen Schwerpunkt im Prozess der Weltbegegnung bzw. -betrachtung bietet, soll das sachliche Urteil geschult werden. Da im geschichtlichen Wirken viele Faktoren (äußere Einwirkungen, Personen, Impulse, gewordene Strukturen usw.) eine Rolle spielen, allerdings nicht im Sinne eines Kausalprozesses, in dem bestimmte Ursachen bestimmte Wirkungen hervorrufen, sind die Ereignisse in vielschichtiger Weise zu betrachten.

Wesentliche Fragenkomplexe

Wesentliche Fragen in diesem Zusammenhang sind: Wie war es vorher?, Was geschieht bzw. vollzieht sich? und Welche Auswirkungen sind/werden erkennbar? (also Fragen nach der Vorgeschichte, dem Ereignis selbst und seinem Verlauf sowie nach dessen Ergebnis und Folgen). Ausgehend von Antworten auf diese Fragen kann es dann gelingen zu einem Abwägen der Vor- und Nachteile, der Stärken und Schwächen und - im Hinblick auf die eigene geschichtliche Gegenwart - u.a. zu einer Beurteilung der Durchsetzbarkeit bzw. der möglichen Konsequenzen zu kommen.
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Klasse 9

Der Übergang in die Oberstufe

Nachdem die Schüler/innen schon während der Klassenlehrzeit vier Jahre lang Epochen im Fach Geschichte gehabt und die geschichtliche Entwicklung von den Anfängen bis zur Neuzeit in wesentlichen Etappen verfolgt haben, erfolgt wie in allen anderen Epochenfächern mit dem Übergang in die so genannte Oberstufe ein Neuanfang in der Form eines Wechsels zum Fachlehrer.

Die menschenkundliche Situation

Die Neuntklässler orientieren sich vielfach an Idealen, verlangen nach Wahrhaftigkeit, versuchen mit sich, der Geschlechtsreife und ihren Gefühlen zurechtzukommen, wobei ausschließliche Sympathie oder Antipathie oft dominieren. Dabei behilflich zu sein, ein neues Verhältnis des eigenen Ichs zur Welt zu finden, dazu kann der Geschichtsunterricht in folgender Weise beitragen.

Die behandelten Gegenstandsbereiche

Es hat sich in den letzen Jahren bewährt, gemeinsam die deutsche Geschichte seit der Französischen Revolution zu betrachten. In der Regel ausgehend von deren Impulsen (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), die in der 8. Klasse betrachtet worden sind, werden u.a. die vielfach gescheiterten revolutionäre Prozesse in Deutschland betrachtet. Im Zentrum der gemeinsamen Betrachtung stehen zum Teil Biographien (z B.: Johann Gottlieb Fichte, Georg Büchner, Otto von Bismarck, Rosa Luxemburg usw.), die indirekt auf die latenten Fragen der Jugendlichen eingehen: die familiäre und schulische Ausgangsposition, die Suche nach neuen Bindungen, Freundschaft, die Auseinander-setzungen mit Widrigkeiten und mögliches Scheitern kommen zur Sprache.

Klasse 10

Der Ausgangspunkt

Ich schaue in die Welt,
in der die Sonne leuchtet,
in der die Sterne funkeln,
in der die Steine lagern,
die Pflanzen lebend wachsen,
die Tiere fühlend leben,
in der der Mensch beseelt,
dem Geiste Wohnung gibt.
Rudolf Steiner

Ausgehend von diesem ersten Teil des Morgenspruches, den die Schüler/innen seit der 5. Klasse jeden Morgen am Anfang des Hauptunterrichts sprechen, beschäftigen wir uns in groben Zügen mit der Entstehung des Universums, des pflanzlichen und tierischen Lebens sowie der Entwicklung des Menschen, also den so genannten ur- oder vorgeschichtlichen Ereignissen. Zum einen ist es so möglich den Morgenspruch neu zu greifen und zum anderen leuchtet durch den Rückblick auf den so genannten Urknall die historisch fundamentale Dimension der Zeit auf.

Fruchtbarer HalbmondGroßbildansicht

Der Schwerpunkt

Die eigentlich geschichtlichen Prozesse, die mit der Sesshaftwerdung, der so genannten neolithischen Revolution nach dem Ende der Eiszeit, begonnen haben und mit der Entstehung von ersten Hochkulturen zur ersten Blüte gekommen sind, werden dann im ständigen Blick auf die naturräumlichen Faktoren (Klima, Vegetationszone, Rohstoffe, Bodenstande usw.) angesprochen und dargestellt. Die historischen Entwicklungen in Mesopotamien und in Ägypten werden als Antworten von menschlichen Gemein-schaften angeschaut, die auf die Herausforderungen, die die Stromtäler von Euphrat und Tigris sowie des Nils den damaligen Bewohnern geboten haben, erfolgreich reagiert haben. Im letzten Drittel der Epoche wird dann die altgriechische Poleiswelt mit ihren kulturellen, politischen und sozialen Besonderheiten an den Beispielen der Stadtstaaten von Sparta und Athen beleuchtet.

Entwicklungspsychologische Hintergründe

Das entspricht dem Bedürfnis der Zehntklässler, die vielfach nicht mehr oder noch nicht wieder fähig sind, ihre inneren Erlebnisse preiszugeben auszudrücken. Zum Teil gerät die Sprachfähigkeit in eine Krise, so dass bisweilen nur Kurzantworten möglich sind.

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Klasse 11

Menschenkundliche Voraussetzungen

Nach den beiden ersten Jahren der Oberstufe, in denen häufig Irritationen der Pubertät und der Nachpubertät spürbar sind, entwickeln die Schüler/innen jetzt eine größere Differenzierungs- und Beurteilungsfähigkeit. Oft ist in Gesprächen oder in den Darstellungen im Epochenheft ein neues Zur-Sprache-Kommen spürbar, das auf einer fortschreitenden seelischen Abrundung ihrer Persönlichkeit gründet und in eine einfühlsamere Urteilsfindung mündet

Der Zusammenhang zum Deutschuntericht

Die Epoche dieser Jahrgangstufe steht in enger Beziehung zur ersten der beiden Deutsch­epochen, in der Wolfram von Eschenbachs 'Parzival' behandelt wird. Dieser höfische Roman, als exemplarische Entwicklungsgeschichte mit den Stufen von Versagen, Schuld, Zweifel und Gnade, thematisiert in gelungener Weise das Moment der Verinnerlichung vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Welt und dokumentiert die Grenzen und Möglichkeiten einer von stark gesellschaftlichen Gesichtspunkten geleiteten Lebensführung.

Die thematisierten Aspekte

Ausgehend von drei Erbschaften der Antike (hellenistische, römische und jüdische Kulturelemente) und einer Betrachtung der Germanen, eines Volkes im geschichtlichen Wartestand, werden die wesentlichen Aspekte des Mittelalters (Christianisierung, klösterliches, höfisches/ritterliches und städtisches Leben, Feudalismus, Begegnung mit dem Islam usw.) behandelt. Dabei werden auch Biographien von Herrschern und Heiligen (z.B. Karl der Große, Otto der Große, Friedrich II., Augustinus, Benedikt von Nursia, Bernhard von Clairvaux) thematisiert, die als Ausgangspunkt für fruchtbare Betrachtungen über menschliche Fähigkeiten und Tugenden dienen können. So kann es für die Schüler/innen z.B. zu einer ernsthaften Frage werden, wie man freiwillig die mönchischen Gelübde (Armut, Demut und Keuschheit) ablegen kann.

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Klasse 12

Die Epoche zur Bewusstseinsentwicklung der Menschheit

In der Epoche ist ein Überblick über die bewusstseinsgeschichtlichen (religiösen, kulturellen, philosophischen usw.) Hintergründe der Geschichte vorgesehen. Da dies nur exemplarisch möglich ist, haben sich die Zwölftklässler in einigen Schuljahren dafür entschieden, die kulturelle Entwicklung in Asien und Afrika intensiver zu betrachten., die bis dahin kaum oder gar nicht thematisiert worden war. Unter anderem haben wir uns mit Auszügen aus zentralen asiatischen Schriften (Bhagvadgita, Tao-te-king, Lun Yü) und den originär asiatischen Religionen (Buddhismus und Hinduismus) beschäftigt, um der Andersartigkeit der Asiaten ein Stück weit näher zukommen.

Die Fachstunden

Neben einer Epoche erhalten die Schüler/innen der Abschlussklasse wöchentlich zwei Stunden Unterricht im Fach Geschichte.
In den Fachstunden wird der im Laufe der Jahre angelegte Umgang mit Quellen vertieft und systematisiert, wobei der Inhalt ebenfalls von den Schüler/innen (mit)bestimmt wird. Meistens werden Themen aus der jüngeren deutschen bzw. europäischen Geschichte gewünscht, wobei besonders die Entwicklungen des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt des Interesses stehen. In diesem Schuljahr haben die Schüler/innen sich für die gemeinsame Erarbeitung folgender Gegenstandsbereiche entschieden: der I. Weltkrieg, die Weimarer Republik, die nationalsozialis­tische Machtergreifung, der Holocaust. 

Individuelle HausarbeitenGroßbildansicht

Die individuelle Hausarbeit

Neben dieser gemeinsamen Arbeit während des Unterrichts steht die eigenständige Beschäftigung jedes einzelnen Schülers mit einem Thema. Die Vorgabe seitens des Lehrers ist nur, ausgehend von einem gegenwärtig zu beobachtenden Phänomen (in einem Land, bei einem Volk, in einer Region oder Religion/Kultur) dessen geschichtliche Wurzeln (zumindest ansatzweise) zu ermitteln.

Die eigene Recherche

Damit die Schüler/innen genügend Zeit zur Ausarbeitung ihrer individuellen Arbeit haben, die als Hausaufgabe an die Stelle des ansonsten üblichen Epochenheftes tritt, hat es sich bewährt, die Geschichtsepoche an den Anfang des Schuljahres zu legen. So haben sie die Möglichkeit, sich intensiver mit den von ihnen individuell gewählten Themen zu beschäftigen und fundierte Auseinandersetzungen mit Fragen, die oft eine umfangreiche Recherche und Lektürearbeit erfordern, vorzulegen.

Die Themen

In den letzten Schuljahren sind z. B. Arbeiten mit folgenden Titeln vorgelegt worden:     

  •  Afghanistan - Ein Land zwischen gestern und heute
  •  Die Aborigines - Von der Traumwelt zum Alptraum
  •  Spanien und der Stierkampf
  •  Die Massai - Ein Kampf um die Tradition
  •  Shaolin - Der Buddhismus in China
  •  Die Situation der Frau in Indien, der größten Demokratie der Welt
  •  Armut - das Schicksal Afrikas?
  •  Sextourismus in Thailand
  •  Die Beschneidung von jungen Mädchen in Afrika
  •  Hikikomori - Ein japanisches Phänomen
  • Die Mafia. Eine ehrenwerte Gesellschaft?
  •  Die Demokratische Republik Kongo - Das größte Katastrophengebiet der Welt 
  • Zwischen Okzident und Orient - Die Integration der Türkei in die EU?
  •  Island - Die Heimat der Elfen und Feen
  •  Die Sonderstellung der Schweiz in Europa
  •  Nordkorea - Außenseiter der Welt
  •  Türkische Migranten in Deutschland. Ein Einblick in das Leben einer vieldiskutierten Einwanderungsgruppe
  • Die Amischen - Ein Leben zwischen Glauben und Verfolgung
  • Die Gastfreundschaft in Russland

Klasse 13

Im Abitur ist das Fach Geschichte zwar für alle Schüler/innen ein schriftliches Prüfungsfach, allerdings nehmen sie, da es sich um das 4. Abiturfach handelt, nicht an den zentralen Prüfungen teil, sondern sie werden dezentral geprüft.

Im Grundkurs Geschichte werden in den beiden Halbjahren der 13. Klasse zwei Themen behandelt, aus denen der Lehrer gemäß den Richtlinien für die gymnasiale Oberstufe drei Klausurvorschläge entwickelt und dem Fachdezernenten bei der Bezirksregierung vorlegt. Dieser wählt zwei davon aus, die dann den Prüflingen am Tag der schriftlichen Abiturpüfung im Fach Geschichte zur Auswahl vorgelegt werden.



Berlin-Blockade und Luftbrücke

Rosinenbomber
In der letzten Geschichtsepoche haben die Neuntklässler/innen auch die Rosinenbomber kennengelernt.