Deutsch
Deutsch in der Unter- und Mittelstufe
Der Deutschunterricht der Unter- und Mittelstufe ist dreigegliedert.Da sind zum einen Sprachpflege und Sprecherziehung, zum andern die Grammatik und schließlich die mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit.
Von Märchen, Fabeln und Legenden
Lesen, Schreiben und Grammatik
Schreibenlernen ist aktives Tun. Es setzt sichere Auge-Hand- und Rechts-Links-Koordination voraus. Um hier die besten Voraussetzungen zu schaffen, werden vielfältige Spiele in den Unterricht integriert, die koordinationsschulend wirken („linker Daumen ans rechte Ohr, rechte Hand auf die rechte Schulter des rechten Nachbarn“…).
Geschrieben wird in nicht-linierten Din A4-Heften mit Wachsmalblöcken. Buchstaben mit diesen Klötzchen zu schreiben erfordert kraftvolles Aufdrücken und konzentriertes „Malen“. Das schult die Feinmotorik erheblich besser als das Schreiben mit dem Bleistift.
In den ersten beiden Schuljahren wird dem Schreiben gegenüber dem Lesen das größere Gewicht beigemessen, um zu aktivem Tun anzuhalten. Es entsteht in dieser Zeit die erste eigene, selbst geschriebene Fibel. Die Rezeption von Sprache erfolgt noch über das Hören von erzählten Geschichten.
Deutsch in der Oberstufe
Denken, Fühlen und wissen Wollen, wer man sein könnte: Goethes Faust, Ödipus oder Parzival. In der Oberstufe wird Bewusstseinsgeschichte in Gesprächen, Analyse und Synthese erschlossen.
„Erquicklicher noch als das Licht von Gedanken ist das Gespräch“, weiß die grüne Schlange in Goethes „Märchen“ nach drei Verwandlungen. Durch den Deutschunterricht der Oberstufe zieht sich daher kontinuierlich das Motto: Im Gespräch findet lebendige Begegnung durch das Wort statt.
Wenn auf der einen Seite gefordert ist, dass das Leben und Denken des pädagogisch Tätigen in die Erziehungswirklichkeit mit einbezogen sein müssen, sozusagen der Pädagoge aus dem Menschen sich ergeben soll, so heißt das auf der anderen Seite, dass das Denken der Schüler/innen (zunächst und weitgehend) nicht in Begriffen rationaler Kritikfähigkeit und als Instrument erlernt werden soll, um (zum Beispiel) operationalisierbar zu werden für bestimmte Lernziele.
Gedichtete Sprache sollte also erlebt werden können statt erbeutet, ihre poetisch-ästhetische Funktion ernst genommen.
Wenn die Kinesik heute beweist, dass das Sprechen unter anderem auf der physischen Ebene eine unaufhörliche Tanzbewegung zwischen Sprechendem und Hörendem ist, wobei jeder Laut eine mit bestimmten Methoden visualisierbare Form in der Luft des Sprechstroms bildet, dann könnten Schüler/innen und Lehrer/innen auf der nächsten Ebene im Gespräch über Gestalten der Literatur das eigene gestaltbare Leben an-(be)leuchten; die in der Unter- und Mittelstufe angesprochenen Gestalten der Vorstellungswelt können nun in der Oberstufe zur bewussteren Auseinandersetzung Anlass bieten.
Denken, Fühlen und Wollen - Güte, Schönheit und Wahrheit würden gefordert beziehungsweise erforscht. Sprechen - auch schriftlich - von und über Dichtung als entscheidende Ich-Entwicklungshilfe - keine Lächerlichkeit! Etwas verstehen zu dürfen, was nicht in Verhalten umschlagen muss, hätte dann lange Platz im Deutschunterricht der Oberstufe.
Und dann - kann man auch Abitur machen. Nicht jede(r), aber viele, die es wollen - mit erlernbaren Analysefähigkeiten, die in der 12. und 13. Klasse besonders erprobt und ausgebildet werden, aber vorher auch nicht fehlen; denn: bisweilen wird nur dadurch die Ahnung zum Beweis.


