Die Bedeutung des Musikunterrichtes

als notwendige Unterstützung für Schüler in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit und zur Stärkung des sozialen Lernens

Wer kann eigentlich heute noch hören  - zuhören, anhören, erhören, hinhören, herhören,  horchen, aufhorchen, lauschen? Welche Vorbilder und Hilfestellungen  bieten da Eltern und Lehrer?

 

[...} An allen Orten und zu allen Zeiten werden wir heute zugeschüttet mit Lärm - medialem Lärm aus den uns umgebenden Lautsprechern zu Hause, im Büro, im Kaufhaus, in Bus und Bahn, Lärm, den eine hochtechnisierte Umwelt unvermeidbar erzeugt. Wir hören also unentwegt etwas, aber: Hören wir wirklich?

Ist es nicht vielmehr so, dass wir, ohne uns wehren zu können, permanent „angefüllt" werden mit Schall, Geräusch, Klang, Ton, mit mehr oder weniger bedeutsamer Rede, mit mehr oder weniger bedeutender Musik oder zumindest dem, was heute für Musik gehalten wird, obwohl es meist allenfalls die technische Reproduktion eines Musikalischen und oft nicht einmal das ist. Was von dem, was wir hören, nehmen wir wirklich wahr?

Zum Wahrnehmen gehört, sich zu etwas in Beziehung zu setzen, es ist ein aktiver Prozess des Antwortens auf etwas, - es ist ein im weitesten und besten Sinne sozialer Prozess. Hören, Horchen und Lauschen ist eine Kunst und damit gleichzeitig die Grundlage eines künstlerischen Prozesses, der ein soziales Kunstwerk entstehen lassen will.

Den Anderen wirklich hörend wahrzunehmen, in ihn hinein zu lauschen, darauf zu horchen und zu er-hören, was er mir eigentlich sagen will, all dies sind Fähigkeiten, die heute weitgehend verloren gegangen sind. Der Andere kümmert uns nur noch insofern, als er uns nützlich oder schädlich sein kann. Sogar uns selber nehmen wir allenfalls noch über unsere Bedürfnisse wahr. Zum Hinein-Lauschen in uns selber sind wir kaum noch in der Lage: Wir ertragen die Stille in uns nicht! Angesichts einer solchen, hier sicher recht scharf gezeichneten Situation, kann deutlich werden, wie wichtig ein neues Hören-Lernen für uns alle und  ganz besonders für unsere Kinder sein kann. Ein solches „Neues Hören" zu lehren und auf diesem Wege neue Wahrnehmungs- und soziale Fähigkeiten zu veranlagen ist Aufgabe und Ziel der Audiopädie [...]

Wichtig bei all dem ist uns vor allem, eine solche Schulung des Hörens, das Lauschen- und Horchen-Lernen auf das bisher „Un-erhörte", Verborgene, das dem Stille-Zentrum in mir und in jedem Menschen Nächstgelegene, in eine Musiklehrerausbildung einzubeziehen.

Die Musik ist wie kein anderer Bereich prädestiniert, hier im weitesten Sinne des Wortes für jeden einzelnen Menschen wie auch gesellschaftlich heilsam zu wirken. Es muss daher eine unserer vornehmsten Aufgaben sein, mit unseren Schülern so zu arbeiten, dass diese umfassend heilsamen Kräfte gepflegt und immer mehr wirksam werden können.

Aus:

Newsletter Musik-Pädagogik des Fachbereichs Musik /Witten Annen