Aus der achten Klasse 2007 - Ein Stück wird geschrieben
Freiheit soll's sein
Die achte Klasse behandelt in der Geschichtsepoche die Französische Revolution und sucht nach einem Stück für ihr Klassenspiel. Da gibt es das Buch von Inge Ott: Freiheit. Ein Roman über die Wirren der Französischen Revolution. Das, ja, das würden wir gerne spielen: Freiheit. Für eine achte Klasse ist das ein sehr reizvolles Thema.
Also selber schreiben
Es ist Dezember: Das Thema ist gefunden. Die Dramaturgin schreibt ein verdichtetes, auf Erweiterung angelegtes Regiebuch, das grob einen Faden vorgibt, mehr nicht. Den Rest müssen die Schüler sich erarbeiten. Aber was ist denn jedem einzelnen im Stück wichtig? Welche Szene will wer für sich erschließen und schreiben?
Spielimpulse und Kernfragen
In der Zeit von Januar bis Ostern steht regelmäßig einmal in der Woche die Theaterarbeit im Hauptunterricht an. Die entscheidenden Kernfragen des Buches von Inge Ott werden herausgeschält und in tiefer Auseinandersetzung durch Dialoge, Bewegung, Spiel und Klänge erarbeitet:
Masse - Gewalt
Macht und Masse - Schuld des Einzelnen
Schuld und Sühne
Masse - Einsamkeit
Freundschaft - Täuschung - Verrat
Privates Glück - politisches Engagement
Entsagung, Verzicht - Anpassung - Untergang
Die Schreibwerkstatt
Szenenreflexion und dramatische Schreibwerkstatt wechseln sich ab. Die Schüler entwickeln die Fähigkeit, das für sie wichtige Thema in Gruppenarbeit in einen dramatischen Dialog zu übersetzen. In verschiedenen Sitzungen wird mit der Dramaturgin, Natalie Zweiböhmer, um die genaueste und bildstärkste Formulierung gerungen. Gemeinsam wird die Integration der neuen Szenen in das bestehende Regiebuch erarbeitet.
Das Stück steht - Die Arbeit des Theaterpädagogen Unabhängig von der Textarbeit hat der Theaterpädagoge Klaus Reiber der Klasse seit dem Herbst Schauspielunterricht erteilt. Grundlegende schauspielerische Fähigkeiten sind kontinuierlich entwickelt worden. Jetzt, wo der Stücktext steht (nach Ostern), werden Stück und Schauspielarbeit zueinandergeführt. Innerhalb der nun folgenden dreiwöchigen Theaterepoche macht die Klasse das Stück mit ihrem Theaterpädagogen bühnenreif. Vorhang auf!
Die Band
Lautstark sind die Auftritte der Klassenband, die sich für das Theaterstück spontan zusammengefunden hat. Wo in der Schreibwerkstatt kognitiv um Formulierungen gerungen wird, bricht Freiheitsgeist in der Musik aus.
Auf dem Weg zum eigenen Stück - Schritte
Welches Thema / Welches Buch als Orientierungsrahmen?
Welche Kernfragen beschäftigen die Schüler?
An welchen Stellen tauchen sie im Buch auf?
Welche Figuren verkörpern sie?
In welchen Szenen können die Kernfragen sich darstellen lassen?
Gibt das Buch genug Szenen her, auf die ich zurückgreifen kann?
Fallen mir noch Szenen ein, in denen die Kernfragen spielbar werden?
Wie können alle Interessen und Fragestellungen, alle erarbeiteten Szenen und geliebten Figuren integriert werden, ohne dass der rote Faden des Stücks verloren geht?
Welche sprachlichen Mittel unterstützen die Aussageabsicht?
Und ganz wichtig: Um die Theaterepoche nicht zu kopflastig werden zu lassen, empfiehlt es sich, einen Theaterpädagogen hinzuzuziehen, der das andere Schauspiel, das intuitive, körperliche, impulsive, völlig textunabhängig aus den Kindern hervorlockt. Denn erst beides zusammen wird Theater.

