Zukunft nach Tschernobyl - Eine weitere Heimstatt in Weißrussland
Leuchttürme in Drushnaja
- Als weithin sichtbare Zeichen für ein Umdenken in Richtung alternativer Energiegewinnung sind in den Jahren 2ooo und 2oo1 zwei Windkraftanlagen (250 und 600 kW) in der Nähe des „freundschaftlichen Dorfes" errichtet worden. Der erzeugte Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist und die Erträge aus dem Stromverkauf werden zur Finanzierung weiterer Umsiedlerhäuser verwendet.
- Ein Weg zur modellhaften Energieeinsparung wird seit 2oo3 durch die Produktion von ökologischem Dämmstoff aus Schilf beschritten, der in Form von Matten als Energie einsparende Gebäudeisolierung in den neuen Häusern verarbeitet wird. Gleichzeitig sind so vier Arbeitsplätze für Umsiedler am Narotschsee entstanden.
- Im Herbst 2oo6 ist in Sanarotsch ein Ambulatorium für die gesundheitliche Grundversorgung der Region eingeweiht werden, das als erstes Niedrigenergiehaus in Weißrussland, mit kontrollierter Be- und Entlüftung, Solaranlage zur Warmwasser-Versorgung und Fotovoltaikanlage, feierlich eröffnet worden ist.
Die Häuser in Stari Lepel
- Das Fundament aus Beton mit Teilunterkellerung für die Heizung und das Holzständerwerk werden von der Baubrigade des internationalen gemeinnützig-gesellschaftlichen Vereins Öko-Dom mit Sitz in Minsk, in dem eine Reihe von Umsiedlern einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat, errichtet.
Die Teilnehmer
Die Teilnehmer der Baucamps, Individualreisende aus ganz Deutschland und Weißrussen (die neuen Umsiedler und zumeist Germanistikstudent/innen von verschiedenen Universitäten des Landes), die während der Bauphase bei Gastfamilien in den schon fertigen Häusern wohnen, bringen die Verschalung an den Außenwänden an und füllen diese und die Zwischendecke in Handarbeit mit einer Mischung aus Lehm und Holzhäckseln, also Rohstoffen, über die das Land in ausreichendem Maße verfugt. Anschließend werden die Dachflächen zusätzlich mit einer dreilagigen Schicht aus vor Ort zugeschnittenen Schilfmatten, die in Sanarotsch produziert werden, isoliert und mit einer diffusionsoffenen Plane für die Überwinterung geschützt.
Der Ausbau erfolgt dann im nächsten Jahr, zum Teil durch die Baubrigade und zum Teil als Eigenleistung der künftigen Bewohner, die in der Regel kurz vor oder nach dem Jahreswechsel, also nach etwa anderthalbjähriger Bauzeit, in ihr neues Haus, zu dem ein 2ooo qm Grundstück mit einem Schuppen gehört, einziehen.
eugen Schilling
Das 5. Lehmbauprojekt in Belarus
Nach dem ersten Einsatz im Jahre 2ooo in Drushnaja und weiteren jährlichen Einsätzen seit 2oo3 in Stari Lepel haben wir 2oo6 als 5. Gruppe unserer Schule (13 Schüler/innen aus den Klassen 10 und 11, eine ehemalige Schülerin, die 2oo3 an unserer Schule ihr Abitur gemacht hat und jetzt studiert, als weibliche Begleitung und ein Lehrer) unseren Beitrag zum Entstehen einer neuen Heimstatt geleistet.
Am o5. August 2oo6 sind wir mit dem Zug nach Minsk gefahren und von dort mit Kleinbussen nach Stari Lepel gebracht worden, wo wir - ausgerüstet mit unseren Isomatten bzw. Luftmatratzen und Schlafsäcken, nach Geschlechtern getrennt - in zwei kleinen Klassenräumen der Schule des Straßendorfes untergebracht waren.
Das Fazit einiger Schüler
Die Zeit in Belarus war wieder so voller Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen, dass einzelne Teilnehmer, die zum ersten Mal an solch einem Baucamp teilnehmen durften [Die Zahl der Bewerber/innen überstieg die Anzahl der wenigen zur Verfügung stehenden Plätze bei weitem.], nach dieser allgemeinen Einleitung zu Wort kommen sollen:
• Manuel: Nachdem wir ein oder zwei Tage am Bau gearbeitet hatten, wurden meine ganzen Erwartungen, die ich im Vorfeld gehegt hatte, widerlegt. Zum einen war es überhaupt nicht schwer, sich mit den Weißrussen zu verständigen und mit ihnen etwas zu unternehmen. Das kann auch daran gelegen haben, dass viele von ihnen Deutsch studieren und somit sehr gut Deutsch sprechen können. Zum anderen stellte sich die Arbeit am Bau doch nicht als so schwer heraus, wie ich sie mir vorgestellt hatte.
• Kai: Rückblickend hat mir der zweiwöchige Weißrusslandaufenthalt sehr gut gefallen, obwohl ich nicht alles, was ich erlebt habe, als positiv bezeichnen kann. Trotzdem möchte ich auch die negativen Erfahrungen nicht missen, denn es hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck, wenn man eine von Schlaglöchern gepflasterte Straße entlang geht, auf der einem Menschen begegnen, die solch einen hoffnungslosen Gesichtsausdruck haben, wie ich ihn noch nie vorher gesehen habe.
• Jan Phillip: Es ist einfach eine andere Welt und man begegnet auch vielen perspektivlos dreinschauenden Menschen. Diese besitzen zum Teil nur ein sich von Gras ernährendes, abgemagertes Pferd mit Leiterwagen als Fortbewegungsmittel, mit dem sie in die nächste Stadt (Lepel) gelangen können, um dort am Wochenende Dir geerntetes Obst und Gemüse auf dem Markt zu verkaufen. Insgesamt waren es für mich sehr schöne, interessante und arbeitsreiche Wochen. Ich würde gerne noch einmal mitfahren!
Mehr Eindrücke finden Sie hier
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Der 26. April - ein Denk-Mal-Tag
Ein Beitrag zum 25. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl








