Moisés Piyãko und Benki Piyãko in Deutschland

Am 5.Juni 2009 hatten wir einen Vertreter der Ashaninka zu einem Vortrag in der Schule.
Treffen auf dem SchulhofGroßbildansicht

Indianischer Besuch in der Freien Waldorfschule

Da staunten die Kinder und Jugendlichen in der Freien Waldorfschule nicht schlecht, als plötzlich ein echter Indianer in ihre Klasse kam, dazu noch einer mit traditioneller Bemalung. Dieses ungewöhnliche Ereignis stand im Rahmen der Reise einer indianischen Delegation der Ashaninka-Indianer aus dem brasilianischen Amazonas-Regenwald von Acre nach Deutschland. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hatte zwei Sprecher ihres Volkes eingeladen, um hier Politiker und Öffentlichkeit über die Menschenrechtslage der Indianer in Brasilien und die katastrophalen Folgen der Regenwaldzerstörung zu informieren. Begleitet wurde die Reise von der brasilianischen Ethnologin und GfbV-Menschenrechtsaktivistin Eliane Fernandes Ferreira.

Vor über 140 Schülerinnen und Schülern informierten dann Benki Pianko und Eliane Fernandes in der Schulaula über die Folgen der Entwaldung, über Holzräuber, Landraub, aber auch über Umweltbildung und Projekte, die von den Indianern selbst ausgegangen sind. Unterstützt werden sie dabei von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Gesucht werden aber noch Partner und Förderer, Schulen, Kommunen und Eine-Welt-Gruppen. Bei den Ashaninka-Indianern habe sich in den letzten Jahren sehr viel verändert. Doch während die Ashaninka im benachbarten Peru vielfach bereits ihre alte Kultur verloren hätten, hätten die Ashaninka auf der brasilianischen Seite ihre Kultur sogar stärken können, was sie keineswegs davon abhielte, in den Weiten des Urwaldes etwa auch das Internet über Solarenergie und Satellit zu nutzen. So seien auch die rote symbolträchtige Gesichtsbemalung und die traditionellen Gewänder Ausdruck eines starken kulturellen Selbstbewusstseins.

Sichtlich beeindruckt überreichte Wilfried Dahmen ( Klassenlehrer der 4. Klasse) den Besuchern aus Brasilien einen Umschlag zur Unterstützung des Bildungszentrums im fernen Amazonas-Regenwald. Die Kinder und Jugendlichen werden diesen seltenen Besuch sicher nicht so rasch vergessen.

Das Projekt

Vom 3. bis 5. Juni 2009 hatte die Gesellschaft für bedrohte Völker in Münster indigene Gäste aus dem brasilianischen Bundessstaat Acre zu Gast.

Die Stadt Münster ist über die Themen Klimabündnis der europäischen Städte mit den indigenen Völkern der tropischen Regenwälder, den zahlreichen Aktivitäten der Eine-Welt- und Menschenrechtsgruppen sowie dem Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit seit Jahren mit der Thematik verbunden.


Über die rücksichtslose Ausbeutung der Rohstoffe in ihren Stammesgebieten und die eigenen Bemühungen zum Schutz der Regenwälder wie der Aufklärungs- und Umweltbildungsarbeit in ihrer Region werden Moíses und Benkí Pianco, die von der Stammesführung der Ashaninka mit der Reise beauftragt wurden, in mehreren Veranstaltungen in Münster berichten.
Bereits im Mai 2006 hatte ein indigener Vertreter der Ashaninka in Münster wie auch anderen Städten über diesen Umweltkonflikt berichtet.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker fördert und begleitet seit vielen Jahren die indigenen Aktivitäten politisch und logistisch.
Koordinatorin auf Menschenrechtsseite und auf der Delegationsreise auch als Dolmetscherin begleitet Dr. Eliane Fernandes Ferreira aus Brasilien, derzeit Hamburg, die Rundreise.

Kontakt in Münster:
Gesellschaft für bedrohte Völker
Regionalgruppe Münster
Dr. Kajo Schukalla
Heerdestr. 19
48149 Münster
Tel. 0251/ 2390606

Hintergrundinformationen zum Thema Ashaninka:

Wissen des Urwaldes
Die Ashaninka-Schule Yorenka Ãtame
Yvonne Bangert und Eliane Fernandes Ferreira

Die ca. 60.000 Ashaninka leben überwiegend im Regenwald Perus. Eine kleine Gruppe von etwa 800 Ashaninka siedelt aber auch auf der anderen Seite der Grenze im brasilianischen Bundesstaat Acre.

Ihr Sprecher Moisés Piyãko stellte als Gast der GfbV-Regionalgruppe Hamburg bei der Jahresversammlung 2006 das Schulprojekt Yorenka Ãtame vor. Damals noch eine Vision, wurde die Schule am 7. Juli 2007 eröffnet. Sie liegt in der Ortschaft Marechal Thaumaturgo, soll Ausbildungszentrum für Erziehung, Kultur und Umwelt sein und den Wissensaustausch, interkulturellen Dialog und die Ausbildung Jugendlicher und Erwachsener fördern.

Die Schule Yorenka Ãtame entstand aus den uralten Erfahrungen der Ashaninka in der nachhaltigen Nutzung der Naturschätze ihres indigenen Gebietes heraus. Diese Kenntnisse wollen sie weitergeben. Sie wissen, dass die Probleme innerhalb und außerhalb ihrer Gemeinschaft ähnlich sind. Deshalb wollen sie auch die nicht-indianische Bevölkerung, die außerhalb ihres Gebietes im Alto Juruá Tal im Bundesland Acre lebt, einzubeziehen. Die Schule soll sie für Umweltschutz und nachhaltige Nutzung sensibilisieren, für ein Leben mit der Natur und von der Natur und nicht ohne oder gar gegen sie. Es soll ein nachhaltiges Projekt für die gesamte Region sein.

Der Ashaninka-Sprecher Francisco Pinhanta erklärt:
"Das Projekt Yorenka Ãtame bedeutet sehr viel für uns Ashaninka. Yorenka heißt Wissen, Wissenschaft, Kenntnis. Es wird inspiriert durch die Geister und die Mysterien des Urwaldes und die Kenntnisse, die wir bei den Gesprächen mit den Älteren erwerben, durch den Respekt für die Natur und, vor allem, durch die praktische Arbeit im Alltag."

Die Kulturbrücke trägt. Der junge Sprecher, Benki Piyãko, koordiniert bereits eine Gruppe von 26 nicht-indianischen Jugendlichen aus Marechal Thaumaturgo, die in die nachhaltige Umwelterziehung einbezogen werden. Im kommenden August werden sie unter seiner Leitung an einem Workshop teilnehmen, bei dem sie Samen der unterschiedlichen Bäume sammeln und kennen lernen werden. Die Einwohner des Ortes sind von der Idee des Projektes begeistert.
In einem Zeitungs-Artikel berichtet Vera Olinda, Leiterin der NGO Comissão Pró-Índio do Acre (CPI-AC), dass einige der Jugendlichen sehr dankbar für ihr neues Wissen sind und dafür, einen ganz neuen Blick auf den Reichtum des Urwalds, auf die indigenen Völker und andere traditionelle Bevölkerungsgruppen gewonnen zu haben.

Laut Francisco Pinhanta soll Yorenka Ãtame keine Schule im herkömmlichen Sinne sein, sondern Raum bieten für das Wissen des Urwaldes als Lebensbeispiel, Raum für Vertrauen und Widerstandskraft. Das Projekt entstand aus der Notwendigkeit heraus, sagt er, einen größeren Personenkreis einzubeziehen, wenn über die Bedeutung der Umwelt, der Artenvielfalt und der sozialen Vielfalt der Alto Juruá Region nachgedacht wird oder über die Einbußen und Nachteile, die bei der lokalen Bevölkerung oft durch die Einflüsse von außen verursacht werden.
Moisés Piyãko ergänzt: " Dieser Raum ist dafür gedacht, das gemeinschaftliche Zusammenleben und den Austausch von Wissen zu fördern, um diese unterschiedlichen Menschen mit ihren Kulturen und ihrer Vielfalt zusammen zu bringen, damit wir zusammen ein nachhaltiges und umweltfreundliches Entwicklungsprojekt für unsere Region entwickeln."

Wenn Sie dieses Projekt unterstützen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte auf folgendes Konto:

Förderverein für bedrohte Völker e.V.
Stichwort: Ashaninka-Schule in Brasilien
Kto. 7400201
Psch 20010020
Postbank Hamburg./bgt.

Quelle:
Vera Olinda Sena: A escola Yorenka Ãtame e os saberes da floresta.
In:
Jornal Página 20. Papo de Índio. 15. und 16. August 2007. S. 20.



Ashaninka - Reisebericht von Benki Piyãko

Reisebericht

Aktuelle Informationen aus dem Ashaninka-Blog

Hier finden sie einen Bericht über die Deutschlandreise von Benki Piyãko (spanisch)

Interview mit Benki in Bremen / Entrevista com Benki Piyako na universidade de Bremen

Informationen in englischer Sprache (Wikipedia)